Bereits unsere Urahnen, die Jäger und Sammler, begannen aus Farben, die sie aus dem herstellten was die Natur hergab, die Wände ihrer Höhlen zu verschönern. Bekanntes Beispiel sind die Höhlen von Lascaux in der französischen Dordogne. Mit einer wunderschönen Leichtigkeit und einem erstaunlichen Verständnis für Perspektive sind dort Malereien zu bewundern, deren Motive beeindrucken.

Wir alle wissen – die Verschönerung blieb nicht auf Wandmalerei beschränkt. Die Ausschmückung und Verzierung dehnte sich aus – auf Gegenstände, Schmuck, Textilien, Möbel und die Architektur.

Irgendwann fand ich heraus, das ich in meiner Gedankenwelt ein Durcheinander hatte in der Unterscheidung zwischen dem, was ein Motiv ist und was ein Ornament. Also begann ich mich damit zu befassen.

Wie so oft, waren auch zu diesem Thema die Erklärungen und Definitionen im Netz in extrem gestelzter Sprache formuliert:

Die Faszination des Menschen an einfachen geometrischen Elementarformen wird erklärt mit der Notwendigkeit, aus der Vielzahl der chaotischen Bildreize auszuwählen.

Um Himmels willen! Wer hat bei diesem Satz vergessen, das ihn „normale“ Menschen lesen werden?

So versuche ich nun, dir hier eine Art der Erklärung zu geben, die auch ich mir gewünscht hätte.

Sollte das Folgende eine Person lesen, die zu diesem Thema ergänzendes Wissen hat, dann nimm bitte gerne mit mir Kontakt auf. So kann ich den Text erweitern und diesen Artikel mit noch mehr Mehrwert anreichern. Danke schon jetzt dafür.

Doch tauchen wir jetzt endlich ein in die Welt der Ornamente! Der Inhalt:

Meine Definition der Ornamentik

Ornamente gelten als wichtige Bestandteile in der Ausschmückung. von Gebäuden, Textilien oder von allgemeinen Gegenständen. Wenn du die Augen aufmachst, begegnen sie dir überall. Denn der Beginn der Ornamentik – der Überbegriff für das ganze Thema der Ornamente – fand bereits in der Jungsteinzeit und später im alten Orient statt, war sie doch dort an den farbenfrohen Gebäuden wichtige Dekoration.

So können wir vieles Bewundern, was bereits vor Jahrtausenden von kreativen Handwerkern gestaltet wurde. Dabei erzählt ein Ornament keine Handlung, wie das sonst in der Malerei häufig der Fall ist. In der islamischen Kunst war die bildliche Darstellung sogar verboten, so wurden Ornamente als „Platzhalter“ verwendet.

Geometrisch konstruierte Flächenornamentik ist deshalb ein Erkennungsfaktor der bildenden, islamischen Kunst, genauso wie die Arabeske, bei der die Fläche aus Blattranken-Ornamenten besteht. In der Alhambra in Spanien lassen sich beide Arten dieser Kunst bewundern:

Gut zu erkennen auf diesen Fotos ist ein weiteres Merkmal der Ornamentik: Die Ornamente treten oft aus dem Hintergrund heraus. Dies wird entweder durch farbliche Abgrenzung, oder durch eine dreidimensionale Erhebung erreicht.

Motiv oder Ornament ? – die Unterscheidung

Ein Motiv, hinter dem eine symbolische Bedeutung stehen kann, ist ein in sich abgeschlossenes Muster. Hier siehst du zwei einzelne Motive, die ich meinem Skizzenbuch entnommen habe:

Diese Motive können in ständiger Wiederholung zu einem Ornament werden. Dabei ist die Ausarbeitung eines Ornaments mit wiederkehrenden Motiven schwieriger zu zeichnen. Denn damit die Anschlüsse zwischen den einzelnen Motiven genau sind, muss das Motiv an sich ebenfalls genau ausgezeichnet sein. Was bei meinen – besonders bei dem rechts – nicht der Fall ist. Trotzdem möchte ich dir zeigen, wie es weitergehen könnte.

Als lineares Ornament eingesetzt, wären meine Beispiele als Randabschlüsse bei Textilien oder Tapeten zu gebrauchen. Wie bereits erwähnt, dient es als Schmuck und kann – häufig auch bei Bauwerken – so eingesetzt werden, damit unser Auge das gesamte Bauwerk als stimmig geordnet wahrnimmt,

Auf den unteren Fotos siehst du eine Treppe, deren Trittabschlüsse mit einem Mäander-Band „strukturiert“ wurden. Das Mäander gehört zu den ältesten Ornamenten, war aber besonders im antiken Griechenland und danach auch bei den Römern sehr beliebt. Sie nutzten es als lineares Ornament als Bordüre auf der Kleidung, wie auch als rahmende Elemente bei Fresko-Malereien in den Villen von Pompeji.

Das ursprünglich einzelne Motiv kann auch als flächiges Ornament eingesetzt werden. Dann nämlich, wenn sie nicht in eine Reihe gesetzt, sondern über eine Fläche verteilt werden.

Dabei wird aus dem einen Motiv – durch die Wiederholung – erstmal ein Ornament gemacht. Es kann in mehreren Varianten angeordnet werden. Hier zwei davon:

Und so würde das dann als Flächenornament aussehen (Ich zeige es, obwohl mir das nicht so richtig gefällt, doch da wir uns hier ja mit der Erklärung befassen und nicht mit dem Entwurf selbst, lasse ich es dich sehen):

Seit Beginn der Ornamentik mit dabei – die Spirale

Auch die Spirale gilt als eines der ältesten Gestaltungselemente. Sie ist – von Menschenhand gemacht – auf Felsen zu sehen, auf Keramik und auf Grabsteinen, oder gestaltet in Form von Schmuck und religiösen Gegenständen. Sie kann aber auch in der Natur betrachtet werden – auf einem Schneckenhaus oder auf einer Muschel zum Beispiel.

Wohl durch die Beobachtung dieser Vorkommnisse in der Natur, hatte man bereits in der Jungsteinzeit die Spirale als schmückendes Ornament verwendet. So kommt sie gleichzeitig in weit voneinander entfernten Kontinenten vor, ist also nicht auf eine Region beschränkt. Vermutlich war deshalb auch die symbolische Bedeutung an jedem Ort eine andere.

Heute steht die Spirale für Wachstum, Veränderungen durch Wandel, persönliche Reifung und verschiedene Lebenszyklen.

Doch Spirale ist nicht gleich Spirale, denn da gibt es verschiedene Formen. Zum Beispiel die

  • archimedische Spirale
  • konische Spirale
  • goldene Spirale

Eine kurze Definition der drei Spiral-Varianten:

  • Archimedische Spirale: Ist sie korrekt konstruiert, bleiben die Abstände zwischen den einzelnen Rundungen konstant gleich. Man könnte auch sagen: Das Wachstum bleibt gleichmässig. Meine hier ist nur skizziert und stammt direkt aus meinem Skizzenbuch.
  • Konische Spirale: Ein Schneckenhaus wird durch die Form der konischen Spirale ausgebildet. Stelle dir die archimedische Spirale vor, die dann in einem imaginären Kegel nach oben gezogen wird. Meine Exemplare, die du hier siehst, sind auch aus meinem Skizzenbuch und „nur“ skizziert.
Skizzen von spiralförmigen und konischen Formen, einschließlich einer Spirale und zwei verschiedenen Versionen eines konischen Designs.
  • Goldene Spirale: Sie basiert auf dem goldenen Schnitt und der Fibonacci-Zahlenfolge. und wird oft in der Kunst für die Bildkomposition eingesetzt. Ich habe dazu bereits einen Beitrag verfasst: Der goldene Schnitt und le Corbusiers Modulor

Die archimedische, wie auch die konische Spirale waren auch für die Konstrukteure wichtige Vorbilder. Eine Sprungfeder eines Sessel weist die Form einer Spirale auf, wie auch das Prinzip einer Schraube. Vielleicht hast du zu Hause einen Plattenspieler. Betrachte mal eine Schallplatte genauer. Welches Muster sieht du darauf?

Ornamente der Antike

Griechische und römische Formen wie Palmetten (Bild unten links), das Mäander oder der Eierstab prägten die antike europäische Baukunst und das Kunsthandwerk. Im alten Ägypten und im Orient waren es geometrische Muster, Rosetten, Lotusblüten und Papyrusmotive (Bild unten rechts)

Ornamente in der Romanik und Gotik

In der romanischen Architektur dienten lineare Ornamente wie Schachbrett, Zahnschnitt oder Diamantenfries zur Schmückung. Bei den Textilien waren es Sterne und Kreuze. Hinzu kamen vom Orient beeinflusste Ornamente., bestehend aus Symbolfiguren, Fabelwesen oder dem Granatapfel.. Die Ornamentik der islamischen Welt hast du weiter oben bereits kennengelernt.

Das Masswerk mit oftmals geometrischen Ornamenten oder der Fischblase bildet ein wichtiges Merkmal der gotischen Architektur. In der Buchmalerei waren es die kunstvoll verschnörkelten Buchstabenornamente.

Bild links: Von oben nach unten: Diamantenfries, Schachbrett und Zahnschnitt der Romanik. Bild rechts: Gotische Buchmalerei.

Ornamente der Renaissance

Flächige Rankenornamente zieren die Freskomalereien der Renaissance (Bild unten links). Die Epoche heisst jedoch zu deutsch „Wiedergeburt“, weil die antike Architektur und der goldene Schnitt wieder entdeckt worden waren. Entsprechend kamen die Ornamente der Antike in Mode. Unten rechts siehst du skizzierte Studien für lineare Ornamente.

Ornamente im Barock und Rokoko

Es wurde schnörkelig. Engelsputten und Blattwerk-Ornamente zierten die Fassaden, Innenräume und auch die Möbel des Barocks. Angeordnet in Symmetrie war buchstäblich alles mit Ornamenten überladen. Während dann im Rokoko die asymmetrische, muschelähnliche Rocaille zum Trend avancierte.. Die Stuckarbeit erblühte und so wurden die Ausschmückungen oft in dieser Technik hergestellt

Symmetrisch angeordnete Ornamente im Barock.

Ornamente des Klassizismus und Historismus

Das Schnörkelige und überladene das Barock und Rokoko war wohl doch zu viel. Im Klassizismus wird nämlich umgedreht – zurück zu antiken, klaren und symmetrischen Formen. Das Mäander oder die Palmette finden sich wieder auf den Wänden. Im Historismus werden alle zurückliegenden Ornamentik-Trends gewählt. Erlaubt ist, was gefällt. Die industrielle Massenfertigung und die damit verbesserte Drucktechnik brachte erstmals Musterbücher hervor, die in grossen Auflagen gedruckt waren und aus denen die Ornamente ausgewählt werden konnten.

Keine Ornamente in der Moderne

Die klassische Moderne lehnte Ornamente ab. Der Architekt Adolf Loos verurteilte 1908 in seinem Buch „Ornament und Verbrechen“ die Ausschmückung als widerlich. Vielleicht deshalb galt im Bauhaus eine minimalistische Architektur als denjenigen Stil, den es zu verfolgen galt. Die Folge: Wir sehen heute lauter kubische Klötze ohne Schönheit in der Landschaft stehen. Die Innenräume zeigten sich ebenso minimalistisch und gradlinig in den Farben Weiss, Grau und Schwarz. Gemacht, um depressiv zu werden. Schön ist für mich anders und ich sehne mich nach Verzierung zurück.

Ornamente der Gegenwart

Das Ornament feiert in der Kunst, dem Design und auch der Architektur – zum Glück! – ein Comeback. Weisse Wände sind tabu, die Tapete – üppig mit Ornamenten übersät – wieder in. Wandpapiere von Künstlern wie William Morris werden neu aufgelegt. Zu recht wie ich finde, denn sie sind wirklich wunderschön – wenn sie denn zum Raum und dessen Mobiliar passen.

Entwurfsphase und fertige Designs von William Morris.

Zusammenfassende Tabelle zum Thema Ornamente

In dieser Tabelle habe ich versucht, als Abschluss dieses Artikels das Wesentliche zur Unterscheidung in überschaubarer Weise zusammenzufassen:

BegriffArt der VerwendungBeschreibung
OrnamentDient zur Gliederung, Einrahmung und Ausschmückung, zum Beispiel auf Bauwerken oder Textilien.Es kann geometrisch , floral, tierisch, figürlich oder abstrakt gestaltet sein. Es muss nicht zwingend eine tiefere Bedeutung haben. Verwendet als einzelnes Ornament – manchmal bestehend aus einem sich wiederholenden Motiv – oder in Wiederholung, kann es als schmückendes Band, als Rahmen für ein Bild oder als flächendeckendes Muster eingesetzt werden.
DekorationDas kann einen ganzen Raum umfassen oder sich auf eine Dekoration mit mehreren Ornamenten beschränken.Es ist quasi die gesamte schmückende Ausgestaltung. Das kann ein ganzer Raum sein oder ein einzelnes Objekt. Dabei kann die Dekoration aus vielen verschiedenen Ornamenten zusammengesetzt sein. Mit unter die Dekoration gehören aber auch die allgemeine Farbgestaltung, die Vorhänge, oder die Anordnung der Möbel und Ziergegenstände.
SymbolikIn Form von Bildern werden Bedeutungen oder Botschaften kommuniziert.Häufig stehen hinter Ornamenten und den darin enthaltenen Motiven nebst dem reinen Schmuckwert auch kulturelle, religiöse oder symbolische Bedeutungen. Deshalb wird nicht jedes Zeichen von allen verstanden. Dann nämlich, wenn dazu das spezifische Wissen fehlt. Anders zum Beispiel beim Hakenkreuz. Wir wissen alle, welche Aussage es im 2. Weltkrieg transportierte. Doch seine ursprüngliche Bedeutung war einst eine andere: Es stand für die Sonne, die vier Himmelsrichtungen und die vier Winde.
Muster / RapportFlächendeckendes Muster, das in ständiger, nahtloser Wiederholung steht.Ein ständig wiederkehrendes Ornament oder Motiv, ohne sichtbare Unterbrechung an deren Rändern. Oder anders ausgedrückt: Ein Musterbereich, der immer wieder genommen und vertikal und horizontal über die gesamte Oberfläche kopiert wird, so dass Übergänge nur undeutlich oder gar nicht sichtbar sind. Auch dazu gibt es einen Artikel von mir: So gestaltest du Rapporte für Textilien & Tapeten

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Auch nach deren Veröffentlichung, werden die Beiträge von mir laufend ergänzt und überarbeitet. Wenn du gut findest was ich mache, dann freue ich mich über die Unterstützung im Wert von einer Tasse Kaffee:

Quellen:

  • retinadesign.com
  • paganlex.org
  • friedrich-verlag.de
  • wikipedia.org
  • wikiart.org
  • metmuseum.org
  • Zeichen & Symbole – Ihre Geschichte und Bedeutung, Dorling Kindersley Verlag, ISBN 978-3-8310-4019-3, 2020


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