Eine Familie, die aus dem Nichts zu allergrösster Macht aufsteigt und unermesslichen Reichtum anhäuft. Die mit ihrem Geld einem Piraten zum Papstthron verhilft, aber zugleich auch ein Blick für die Schönheiten hat, die sich vor dem menschlichen Auge zeigen können.
Eine Familie, die die Malerei, Bildhauerei und Architektur fördert wie keine andere.
Aber auch eine Familie, die mit ungeheurer Korruption die 95 Thesen des Martin Luther und damit die Spaltung der Kirche provoziert. Nicht das Papst Leo X., geboren als Giovanni de Medici, der erste seiner Sorte gewesen wäre, dem Korruption vorgeworfen werden könnte. Aber er trieb es einfach viel zu weit.
Was du hier lesen kannst:
- Paten der Renaissance – Die Familie der Medici.
- Erfindung der Renaissance – die Perspektive, Filippo Brunelleschi
- Symbol der Renaissance – Der vitruvianische Mensch, Leonardo da Vinci
- Inneneinrichtung in der Renaissance – Neuheit Polstersessel
- Mein Fazit zur Renaissance:
Paten der Renaissance – Die Familie der Medici.

Portrait des Giuliano de Medici von Sandro Botticelli, 1478
Im 15. Jahrhundert herrschte die Renaissance. Der Ursprung liegt in Florenz, als die Medici die Macht übernahmen. Mit ihrem Mäzenatentum förderten sie die Künstler, die uns ihr reiches und geniales Schaffen hinterliessen.
Autodidakten wie Filippo Brunelleschi waren fasziniert von der griechischen und römischen Antike und deren Regeln der klassischen Architektur, die zur damaligen Zeit seit 1000 Jahren nicht mehr angewendet worden war. Und so erhielt das Zeitalter den Namen Renaissance, die „Wiedergeburt“.
Es war Cosimo de Medici, der Schriften aus der Antike aufspüren liess und sie so denjenigen zugänglich machte, die daraus etwas Neues entstehen lassen konnten.
Erfindung der Renaissance – die Perspektive, Filippo Brunelleschi
Die zeichnerische Perspektive wird heute von praktisch jedem CAD-Programm genutzt oder händisch auf dem Reissbrett konstruiert.

Grundraster für handgezeichnete, räumliche Darstellungen in Zentralperspektive im Massstab 1:20
Wie würde das heute aussehen, hätte nicht der unermüdliche und immer denkende Filippo Brunelleschi beim Problem, eine in sich tragende Konstruktion für die Kuppel des Doms zu Florenz zu entwickeln, die Zentralperspektive entdeckt? Wir sprechen hier vom Jahre 1434. Der Maler Leon Baptista Alberti lieferte 1435 dazu das wissenschaftlich begründete Werk.
Ursprünglich wollte Brunelleschi seine bildhauerischen Fähigkeiten verbessern, da er fand das die damals gängige Bildhauerei jener der Antike nicht das Wasser reichen könne. Seine Studien konzentrierten sich dann jedoch eher auf die Architektur. Mithilfe eines Brettes, in dem mittig ein kegelförmiges Loch gebohrt war, schuf er die räumliche Darstellung.

«Die Geschichte der Lucretia» von Sandro Botticelli, Entstehung zwischen 1496 – 1504. Es zeigt eine dramatische Szene aus der römischen Geschichte, die sich um die Figur der Lucretia dreht, eine römische Adelige, die für ihre Tugend und ihren Mut bekannt war. Sehr gut ist zu erkennen, dass das Gemälde in Zentralperspektive gehalten ist. Das Gemälde befindet sich heute in der Galleria degli Uffizi in Florenz.
Erst später entwickelte sich aus dieser Perspektive die Zweipunktperspektive, wie hier meine Zeichnung eines römischen Atriumhauses. Noch später kam die Dreipunktperspektive hinzu.

Symbol der Renaissance – Der vitruvianische Mensch, Leonardo da Vinci
Es war nicht nur Brunelleschi, der sich mit der Antike befasste. Auch Leonardo da Vinci befeuerte mit seiner menschlichen Proportionsstudie nach Vitruv das Interesse dieser vergangenen Epoche und schuf damit eine Verbindung von Wissenschaft und Kunst.
Vitruv war ein römischer Architekt, der zwischen 33 und 22 v. Chr. die 10 Bücher der Architektur verfasste. (Siehe mein Artikel zum antiken Rom). Darin befasste er sich mit der menschlichen Proportion und deren Übersetzung in architektonische Proportionen.

Die im Jahre 1492 entstandene und bekannteste Zeichnung von Leonardo da Vinci zeigt einen nackten Mann in zwei überlagerten Positionen, gezeichnet in einem Quadrat und einem Kreis. Diese Darstellung symbolisiert die Harmonie zwischen Mensch und Universum.
Der Kreis und das Quadrat repräsentieren die perfekte Form und die Harmonie der Proportionen, die Leonardo als grundlegend für die Kunst und Architektur ansah und sein Interesse für Mathematik und Geometrie widerspiegelt.
Mit der Darstellung der ausgebreiteten Arme bildete da Vinci das Verhältnis des Menschen ab:
Die Höhe eines Menschen entspricht etwa der Spannweite seiner Arme.
Später wurde diese Proportionsstudie als «der goldene Schnitt» bezeichnet. Der Schweizer Architekt Le Corbusier entwickelte auf dieser Grundlage ein eigenes Masssystem, der Modulor, dass er in seinen Bauten konsequent einsetzte. Aber ich schweife ab…vielleicht werde ich später mehr über den goldenen Schnitt schreiben, faszinierend finde ich das Thema.
Jedenfalls: Das Original von Leonardos Zeichnung wird im Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia „Leonardo da Vinci“ in Mailand aufbewahrt.
Inneneinrichtung in der Renaissance – Neuheit Polstersessel
Allgemein lässt sich sagen: Um 1600 besassen die Haushalte im Durchschnitt immer noch die gleichen Dinge wie 200 Jahre zuvor. Die Güter waren kunstvoller, feiner, mit einer grösseren Verzierung. Materialien und Art hatten sich jedoch kaum verändert.
Was architektonisch im Aussen an Wichtigkeit gewonnen hatte, setzte sich im Inneren der Häuser und Paläste fort: Symmetrie und Proportion galten als Inbegriff harmonischer Raumgestaltung.
Zusätzlich aufgewertet wurde das Ganze mit Malereien, Fresken und Stuckarbeiten, oft mit Darstellungen von Szenen aus der Mythologie oder der Religion. Wie hier der runde Saal der Villa Rotonda von Andrea Palladio, einem Paradebeispiel der Architektur der Renaissance mit starker Anlehnung an die Antike. Ein wunderschönes Bauwerk!

Foto: Hans A. Rosbach, entnommen von Wikipedia.org
Im Bereich Mobiliar gab es einige Neuheiten, wie der Polstersessel. Die Sprungfedern waren noch nicht erfunden, die kamen erst im 19. Jahrhundert. Daher bestand die Sitzfläche aus Jutegurt, einem festen und sehr dicht gewebtem Band, welches überkreuzt am Rahmen der Sitzfläche befestigt wurde. Dann folgte eine Schicht Palmenfasern, worauf diese mit einer Lage Rosshaar bedeckt wurde. Erst dann kam der eigentliche Bezugsstoff zum Zuge. Befestigt mit Nägeln, die dann noch mit Zierband abgedeckt werden konnten.

Entnommen aus: Wohnungskultur und Möbel der italienischen Renaissance, Herausgegeben von Frida Schottmüller, Stuttgart Verlag von Julius Hoffmann, 1921
Ich denke nicht das wir uns einen solchen Stuhl als so bequem vorstellen können, wie wir das von unseren heutigen Sitzmöbeln gewöhnt sind. Aber es war ein Anfang hin zu mehr Bequemlichkeit.
Die Anschaffung von Dingen wurde nicht nur nach modischen Aspekten gemacht. Es ging nicht darum, «up to date» zu sein und alles beim nächsten Trend wieder auszuwechseln.
Das Ziel aller Anschaffung war, sein Vermögen zu vermehren. Und das funktionierte nur mit dauerhafter, qualitativ hochwertigster Ware, für die der Pfandleiher gutes Geld hergeben würde.
Daher waren die Möbel nicht nur funktional, sondern auch einzigartige Kunstwerke. Sie waren oft reich verziert und widerspiegelten mit detaillierten Schnitzereien den Stil der Zeit. Heute haben originale Möbelstücke dieser Zeit einen immensen Wert.
Mein Fazit zur Renaissance:
Was mir gefällt: Ästhetik und Proportion, sowie künstlerisches und handwerkliches Können waren in diesem Zeitalter hochgeschätzt. Das macht diese Epoche sehr anziehend für mich. Mit dem Mäzenatentum reicher Kaufleute wurden diese Metiers gefördert wie noch nie. Die Künstler und Handwerker begannen, mit ihren eigenen Namen aus der Masse herauszutreten. Vorbei waren die Zeiten, als Kunst nur im Dienst Gottes geschaffen wurde und der Mensch dahinter anonym blieb.
Natürlich war das Mäzenatentum für die Kaufleute dafür da, zu noch mehr Macht zu gelangen, und ich bin sicher das diese Macht meist nicht für gute Zwecke benutzt worden war. Dennoch: Hätten sie es nicht getan, hätten wir jetzt so viel weniger wovon wir schlussendlich alle auf unterschiedlichste Arten profitieren können.
Denke ich an die einfachen und armen Menschen dieser Zeit bin ich sicher, absolut nicht tauschen zu wollen. Arm sein war und ist niemals ein Zuckerschlecken, doch heute mit den staatlichen Massnahmen ist es wohl doch ein Stückweit besser auszuhalten. Wobei ich jetzt von der Schweiz spreche, denn für andere Länder gilt wohl wieder anderes.
Wenn du noch in die Esskultur dieser Zeit eintauchen magst, kannst du das hier tun.
So ende ich hier mit einem der bekanntesten Zitate aus der Renaissance, es stammt von dem italienischen Philosophen und Dichter Francesco Petrarca:
„Der Weg zur Wahrheit ist lang, aber die Wahrheit ist es wert, dass man ihn geht.“
Quellen:
- Die Medici, Paten der Renaissance, 4-teilige Dokumentation, ausgestrahlt auf Phoenix
- Herrschaft der Dinge, Frank Trentmann, Verlagsgruppe Random House 2016, ISBN 978-3-421-04273-6
- wikiart.org
- polsterei-koenigherz.com
- arthistoricum.net










