Da sind so viele Dinge, die wir im Alltag jeden Tag sehen, aber doch nicht sehen. Unsere innere Welt legt manche Angelegenheiten und Antworten offen vor uns hin, trotzdem sehen oder hören wir sie nicht.
Wir sind auch sosehr an unsere tägliche Umgebung gewöhnt, dass Gegenstände, Oberflächen, Farben und Formen unserer Aufmerksamkeit entgehen.
Kannst du mir die genaue Beschaffenheit der Wände in deiner Wohnung oder Haus nennen? Wie ist es mit den Zimmerdecken, welche Optik haben sie? Welche Farbe haben die Sockelleisten?
Das gestemmte Täfer wirst du in Neubauten eher nicht antreffen. Wenn du jedoch in einem Altbau wohnst, kann das schon viel eher möglich sein. Besonders wenn das Gebäude vielleicht noch unter Denkmalpflege steht. Auch in öffentlichen, alten Bauten ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass du schon einmal gestemmtes Täger gesehen hast.
Was du jetzt lesen kannst:
- Gestrichenes, gestemmtes Täfer – und dessen Nachteil
- Woher kommt das Täfer?
- Was ist gestemmtes Täfer und wie wird es hergestellt?
- Täfer als «Fake»
- Mein neu gestrichenes gestemmtes Täfer
Gestrichenes, gestemmtes Täfer – und dessen Nachteil
Wer früher seine Hausfassade vollständig gestrichen hatte, der zählte zu den reichen Leuten. Denn nur reiche Leute konnten sich die Farbe leisten. Und so sind die gestemmten Fassaden der Häuser aus meiner Region oftmals farbig und zusätzlich mit aufwändigen Malereien versehen.
Die Schwierigkeit: Das Holz arbeitet. Mit zu- oder abnehmender Luftfeuchtigkeit schwindet oder quillt es. Das gestemmte Täfer ist somit ständigen Veränderungen unterworfen.
Dies ist der Grund, warum die Füllungen nur eingeschoben und nicht geleimt oder anderweitig befestigt werden. Die gestrichene Oberfläche wird somit sehr diffizil. Oftmals reisst die Farbe oder platzt ab. Diese Farbrisse sind ziemlich deutlich erkennbar…wenn du denn genau hinsiehst und es somit deine Aufmerksamkeit bekommt.
So hatte ich in den drei Zimmern einer Mietwohnung mit gestemmtem Täfer sehr zeitaufwändige Vorarbeiten zu erledigen, bevor ich überhaupt an den neuen Anstrich denken konnte.

Bevor ich meine Schleifmaschine auspackte, entfernte ich alle gerissene Farbe an den Füllungen und schliff die Kanten von Hand glatt. Dann wurden die Flächen mit dem Exzenter angeschliffen. Bei einem Altbau wie hier ist das spannend, denn ich bemerkte, dass hier wohl vier bis fünf Schichten Farben übereinander lagen.
Besonders anstrengend war das Anschleifen an den Decken. Alles zu entfernen und zu schleifen, da war ich abends doch froh, wenn ich mir den heissen Kirschensteinsack zur Entspannung in den Nacken legen konnte.
Denn zusätzlich gab es noch viele alte Acrylfugen, die ebenfalls gerissen oder durch das Alter spröde geworden waren. Sie fielen mir fast entgegen, kaum berührte ich sie mit meinem Werkzeug. Das Entfernen dauerte ebenfalls seine Zeit.

Die dadurch entstandenen Spalten konnten nicht einfach überstrichen werden. Das würde kein schönes Endresultat ergeben. Daher musste alles mit Acryl neu verfugt werden. Allerdings eine Arbeit die ich gerne mache, denn Acrylfugen zu ziehen finde ich eine dankbare Arbeit. Das Material lässt sich gut verarbeiten und mittels Wasser und den Fingern sorgfältig abziehen.
Dann, nach vielen, vielen Stunden all dieser Vorbereitungsarbeiten, konnte ich mit der Grundierung und später mit dem Endanstrich weitermachen.
Wenn du also das nächste Mal empört darüber sein solltest, wieviel dir ein Maler für seine Arbeiten verrechnen will: Denke immer daran, es gehört so vieles an Arbeit dazu, die später nicht mehr ersichtlich ist. Es wäre nur offensichtlich, wenn er zu Gunsten niedrigerer Kosten den Prozess abkürzen und wichtige Vorarbeiten einfach weglassen würde.
Woher kommt das Täfer?
Ursprünglich hatte das Täfer keinen dekorativen, sondern einen funktionellen Zweck. In den Burgen des Mittelalters versuchte man eine Wärmedämmung zu erzielen, in dem Bretter vertikal an die inneren Seiten der Burgmauern montiert wurden.
Als Abschlüsse an Boden und Decke wurde das Ganze mit Friesen ergänzt. Auch an die Decken nagelten die Mittelalter-Handwerker die Bretter. Vermutlich dürfen wir uns schon bald eine Art Kassettenkonstruktion vorstellen.
Im Zeitalter der Renaissance legte man sehr viel Wert auf Ästhetik und Dekoration. Somit erhielt auch das Täfer eine zusätzliche Funktion. Schnitzereien und Intarsien ergänzten die bis dahin völlig schlichte Optik. Dies wurde in den französischen Schlössern des 17. Und 18. Jahrhunderts weiter zur Vollendung geführt.

Hier ein Blick auf das Täfer in meinem Wohnzimmer. 100 Jahre oder noch länger ist es schon so befestigt. Das schlichte Täfer wird mit dem oberen Abschluss mit Fries, Profilstäben und geschnitzten Ornamenten aufgewertet.
Wenn ich meinen Blick über die getäferten Wände gleiten lasse, sehe ich auch hier überall Farbrisse und kleinere oder grössere Spalten, die sich im Laufe der Zeit ergeben haben. Ich sehe wie schief alles geworden ist. Einen rechten Winkel zu suchen…ein Ding der Unmöglichkeit.
Was ist gestemmtes Täfer und wie wird es hergestellt?
Das gestemmte Täfer, so wie dies ein Schreiner oder Zimmermann versteht, war früher vollständig aus Massivholz gefertigt. Dafür wurden heimische Hölzer wie Tanne oder Fichte bei bäuerlichen Gebäuden verwendet. Bei herrschaftlicheren Ausbauten wurde Eiche oder Kirsche, selten auch Nussbaum verarbeitet.
Heutzutage werden die Füllungen oft aus furnierter Spanplatte oder MDF gefertigt und nur die Friese und eventuelle Profilstäbe aus Massivholz.

Auf eine aus Latten bestehende Unterkonstruktion werden die Friese montiert, in deren Nuten die Füllungen eingeschoben werden. Dabei können die Friese als «Meterware» vorgefertigt und während der Montage auf die exakten Längen geschnitten werden.
Die Füllungen müssen nach Länge und Höhe der Wand eingeteilt und deren Grössen ermittelt werden. Im Werk wird die Vorbereitung auf diese Masse abgestimmt. Dabei ist zu beachten, wieviel an Grösse die Füllung durch den Einschub in das Fries verlieren wird.
Sind die Füllungen wie bei «meinen» Wänden abgeplattet, muss noch genauer gearbeitet werden. Die Abplattung soll ja durchgehend gleich gross sein.
Bei der Decke ist das Ganze etwas weniger aufwändig, wird aber durch das über Kopf arbeiten sehr anstrengend:

Ja, du hast sicher beim Lesen festgestellt: Das ist alles sehr arbeitsintensiv. Aber es gibt auch eine andere Variante:
Täfer als «Fake»
Wer zu Hause sein eigenes Täfer (eine halbhohe Wandtäfelung) haben möchte, aber dies wegen dem grossen Aufwand und der hohen Kosten scheut, kann sich einen «Fake» bauen.
Die Optik des Täfers wird nachgebildet, ist aber in seiner Ausführung weit weniger aufwändig.

In diesem Beispiel wurden für die halbhohe Wandtäfelung durchgehend 16mm dicke MDF-Platten mit Grundierfolie auf die Unterkonstruktion geschraubt. 8mm dicke, ebenfalls aus MDF mit Grundierfolie geschnittene Streifen wurden regelmässig eingeteilt und mit dem Stiftenagler als Friese auf die Platten aufgebracht. Ein liegender MDF-Streifen mit 21mm Dicke bildet den Sims.
Dies geht relativ zügig vonstatten, auch die Vorarbeiten sind deutlich niedriger als beim «echten» Täfer.

Ein weiterer Vorteil: Das MDF ist nicht solchen Schwankungen wie das Massivholz unterworfen. Das Ganze wird «unverrückbar» montiert. Der hier gemachte Anstrich wird länger seine Qualität halten und weniger Rissbildung erfahren.
Der Nachteil: MDF enthält einiges an grauer Energie.
Mein neu gestrichenes, gestemmtes Täfer

Und «mein» gestemmtes Täfer? Das erstrahlt mittlerweile in neuem Glanz. Und ich bin ja keine professionelle, gelernte Malerin. Trotzdem, mein Ergebnis gefällt mir sehr.
Mit gutem Gewissen kann der Vermieter die neue Bewohnerin in die Wohnung einziehen lassen. Sie erwartet mit den weissen Decken und den leicht eierschalenfarbenen Wänden eine warme Atmosphäre. Zusammen mit den alten Parkettfussböden (lies dazu hier) Heimeligkeit pur. Was braucht es mehr?
Bist du selbständiger Handwerker?
Dann empfehle ich dir meine beiden Bücher (Einfach auf den schwarzen Button klicken):












