Edles Tafelparkett in Nussbaum und Ahorn, mit schmalen Nussbaumbändern im Ahorn eingelegt.

aktualisiert am 6. September 2026

Er wird täglich mit Füssen getreten und erhält im Allgemeinen zu wenig Beachtung: Der Fussboden.

Ist er ein einfacher Laminatbelag oder Vinyl, ist es ok, ihm wenig Beachtung zu schenken. Ist er jedoch ein Parkett aus einer Echtholzschicht oder gar ein Vollholzparkett, dann sind wir in der Sparte hohem Handwerk angekommen. Ich finde, dann verdient der Boden entsprechende Aufmerksamkeit.

Diese verdiente Aufmerksamkeit bekommt das Parkett in diesem Beitrag. Das kannst du hier lesen:

Ich muss nur in meinem Wohnzimmer auf den Boden schauen um ein Stück Geschichte dieser Handwerks-Kunst zu sehen.

Die Tafel eines Parketts, eingerahmt mit schmalen Streifen. Die helle Fichte wurde mit Beize auf edel getrimmt

Da liegt ein Tafelparkett, wenn auch ein einfacher, ohne grosse Musterung oder Intarsien. Günstige Fichte wurde mittels Beize auf «edel» getrimmt.

Die Tafel misst jeweils ca. 80cm x 210cm, mit einem etwa 12cm breitem Rand. Wie lange der Boden da schon liegt…keine Ahnung. Es können gut und gerne 150 Jahre sein, vielleicht schon länger. Erbaut wurde das Gebäude in dem ich wohne nämlich 1792. Aber so alt wird er wohl nicht sein.

Tafelparkett, mit Beize auf Edel getrimmt, wegen des Alters jedoch mit Schadstellen.

Der Boden hat einige Schadstellen und leise darauf zu gehen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Er knattert und knarzt bei jedem Schritt. Aber genau das macht für mich einen Teil der Heimeligkeit aus.

Die geschichtlichen Anfänge des Parketts

Der Auftrag, in einem Hausneubau eine speziellere Form von Randabschluss an einem neu verlegten Eichenparkett zu machen (mehr dazu weiter unten), hatte mich zu diesem Blogbeitrag inspiriert.

  • Woher kommt das Parkett?
  • Wer hat zum ersten Mal etwas solches verlegt?

Die Geschichte des Parketts beginnt ca. im 13. Jahrhundert, als noch rohe und unbehandelte Bretter nebeneinander gereiht wurden. Vielleicht stammt von daher der Name für diese Art Boden: Parkett leitet sich vom französischen Wort «parqueter» ab, was etwa so viel wie «aneinanderreihen» bedeutet.

Später wurden die Bretter gehobelt, dazu verwendete man Weichhölzer wie Tanne, Fichte oder Kiefer. In einem weiteren Schritt begann man, die Bretter in verschiedene Längen zu schneiden und die Hölzer mit Hilfe von Beize verschiedenfarbig einzufärben, was zu ersten Verlegmustern führte.

Auch hier waren es die Reichen, die sich als Erste etwas solches leisten konnten. In der bäuerlichen Lebenswelt sind erste Exemplare erst ab dem 16. Jahrhundert bekannt. Vermutlich durfte man sich die ersten Formen von Parkett für uns Normalos etwa so wie mein Boden im Flur vorstellen:

Einfache, gehobelte Bretter nebeneinandergereiht bilden einen einfach Boden im Flur meiner Wohnung.

Gehobelte, aneinandergereihte Bretter. Da die Schraube noch nicht erfunden war, dienten als Befestigung Nägel. Allerdings stelle ich mir vor, das die Breite der Bretter unterschiedlich war, je nach dem, wie es die Dicke des Baumstammes hergab.

Die Erfindung des Tafelparketts und seine Herstellung

Es waren die Franzosen, die für den Ausbau ihrer prunkvollen Barockschlösser das Parkett zu einer wahren Kunst erhoben und als Erfinder des Tafelparketts gelten.

Dank der mutigen Seefahrer waren jetzt Edelhölzer aus fernen Kontinenten verfügbar. So arbeitete man aufwändigste Intarsien aus Edelhölzern in Einzelelemente, die dann zusammengefügt das ganze Flächenmuster ergaben. Ein Boden konnte gegenständliche Bilder oder ganze Szenen darstellen.

Dazu wurden bis zu 10mm starke, in Form geschnittene Deckfurniere auf Nadelholzplatten mit Knochenleim verklebt und nach dem Einbau abgezogen und geschliffen.

Was heute mittels CAD und maschinellem Stanzen relativ schnell vonstattengehen würde, war damals eine langwierige Angelegenheit. Waren es Motivmuster (siehe Erklärung für Motiv hier) mussten diese erst gezeichnet und für die Herstellung aus den verschiedenen Hölzern aufbereitet werden. Für den Vorgang des Stanzens mussten anschliessend die Stanzformen hergestellt werden. Dabei musste, wie beim Stoffdruck, für jede Holzart des Motives und für jedes Puzzleteil, das zum Schluss das Motiv als Ganzes ergab, eine solche Stanzform entstehen.

Alles lief völlig mechanisch ab. Gestanzt wurde, indem man mit dem Hammer auf die Stanzform schlug nachdem es auf dem Furnier aufgesetzt worden war. War das Furnier zu dick zum Stanzen, wurde es mit einer Art Bandsäge sorgfältig von Hand ausgeschnitten. Dabei musste unglaublich genau gearbeitet werden, damit die verschiedenen Teile denn auch vollständig ineinanderpassten.

Kein Wunder konnten sich solch aufwändige Tafelböden nur die Reichsten leisten.

Der «heutige» Tafelparkett und seine Herstellung

Hier eine einfachere Form eines Tafelparketts, aber wie ich finde genauso schön. Fotografiert habe ich ihn in einer kleinen, unscheinbaren Mietwohnung.

Umso erstaunter war ich, genau dieses Muster mit denselben Holzarten im Schloss Arenenberg, dem Napoleonmuseum am Bodensee, zu sehen.

Edles Tafelparkett in Nussbaum und Ahorn, mit schmalen Nussbaumbändern im Ahorn eingelegt.

Bei diesem Tafelparkett wäre das Herstellungsverfahren nach heutigem Standard etwa so:

  • Das Nussbaum-Quadrat wird vorbereitet.
  • Mit Hilfe der Kehlmaschine werden meterweise die Nuten in die Mitte der Ahornstreifen (helles Holz) gefräst, worin dann das schmale Nussbaumband eingelegt wird.
  • Die Streifen werden dann in die entsprechende Länge geschnitten und um das Nussbaum-Quadrat angeordnet.
  • Dann wird das Ganze auf dem Trägermaterial befestigt und voilà, fertig ist eine Tafel.

Zu beachten ist natürlich, dass das Material Holz lebt , somit quillt und schwindet. Also immer noch nicht ganz einfach und noch immer aufwändig.

Anordnung Tafelparkett Nussbaum und Ahorn von oben gesehen. Die Nussbaumbänder im Ahorn erscheinen wie ein Geflecht.

Noch viele weitere Tafeln hergestellt und dann zusammengefügt ergibt sich das wunderschöne Bild des hellen und dunklen Holzes in seiner ganzen Natürlichkeit und Maserung.

Der Randabschluss bei einem Tafelparkett ist das Tüpfelchen auf dem i. Hier Nussbaum, indem schmale Ahornbänder eingelegt wurden.

Mit einem entsprechenden Randfries erhält das Parkett innerhalb des Zimmers sein vollständiges Aussehen. Ein solcher Boden hat eine minimalistische Einrichtung verdient, sonst droht er unter den Möbeln zu verschwinden.

Erhalt und Wiedereinbau von altem Parkett im Schachbrettmuster

Wie oben schon kurz erwähnt, wohne ich in einem Gebäude, das 1792 erbaut wurde. Früher, also bis 1901, war es ein Hotel für die Bessergestellten. Man kam hierher wegen den berühmten Molkenkuren. Danach wurde es in ein Wohnhaus mit mehreren Wohnungen umfunktioniert. Zeitweise stand es aber auch leer.

Zurückgebaut und neu verlegt. Alter Parkett aus dem Speisesaal eines ehemaligen Hotels im Schachbrettmuster

In den 1980er Jahren sanierte man den meisten Teil des Gebäudes vollständig. Nur meine eigene Wohnung blieb verschont.

Bei dieser Sanierung hatte man das Parkett im früheren Speisesaal sorgfältig herausgetrennt und die noch gut erhaltenen Stücke in einem Zimmer einer Wohnung zwei Stockwerke höher wieder verbaut.

Und da liegt es bis heute:

Das Schachbrettmuster zeiht sich bis zur Wand hin und findet den Abschluss mit der Sockelleiste. Ein alter, hellblauer Kachelofen ergänzt das Zimmer.

Bevor manalso alte Parkettböden einfach entsorgt, kann man zuerst testen ob sie sich mehr oder weniger einfach Rückbauen lassen.

Wenn man den Aufwand nicht scheut, alte Kleberreste zu entfernen, kann man unter umständen für wenig Geld zu einem ganz speziellen Boden kommen. (Der Arbeitsaufwand lassen wir hier mal beiseite 😉)

Die Herstellung von Parkett wird industrialisiert

Mit der industriellen Revolution und der damit verbundenen Erfindung neuer Maschinen, konnte die Vorfertigung von Parkett vereinfacht werden. Sägewerke konnten jetzt mit Dampfkraft betrieben werden und Bearbeitungstechniken wurden maschinell.

Neue Produkte wurden erfunden und patentiert:

  • Das Riemenparkett, dieses besteht aus Vollholz mit einer Stärke von 14 bis 22mm. Es wird entweder vollflächig verklebt oder verschraubt. Die Verbindung der Bretter ist mit Nut und Kamm vorgefertigt. Ein solcher Parkett wird verlegt, anschliessend geschliffen und dann geölt oder lackiert.
  • Das 3-Schicht-Parkett besteht aus einer 3 bis 6mm starken Nutzschicht aus Echtholz die auf einer Mittelschicht aus Massivholzstäbchen liegt. Die unterste Schicht bildet das Gegenzugfurnier. Durch diese dreischichtige Absperrung bleibt der Boden formstabiler. Die Oberflächenbehandlung wird meist schon im Werk fertiggestellt.
  • Beim 2-Schicht-Parkett fehlt das Gegenzugfurnier.

Heutzutage wird meist dieses sogenannte Fertigparkett (gemeint ist 2- oder 3-Schicht-Parkett) verlegt, dessen Lebensdauer mit 25 bis 30 Jahren wohl deutlich unter der eines Massivparketts liegt, jedoch mit deutlich kürzeren Verlegezeiten punktet.

Verlegemuster des Parketts

Aus dieser Entwicklung – der Vorfertigung – haben sich etliche etablierte Verlegemuster ergeben, die mich stark auch an das textile Patchwork erinnern:

  • Schiffsboden, regelmässig oder unregelmässig
  • Diagonalverband
  • Regelmässiger Verband mit Würfel
  • Regelmässiger Verband dreifach
  • Leiter
  • Altdeutscher Verband
  • Altdeutscher Verband diagonal
  • Fischgrat
  • Fischgrat mit Würfel
  • Tafel mit Fries und Würfel
  • Kassette

Wenn du dir einen Katalog eines Parkettherstellers besorgst, kannst du dir aus allen Verlegemustern dein bevorzugtes auswählen.

Randabschluss Filzstreifen, anstelle von Sockelleisten oder Silikonfugen

Wir alle kennen die Sockeleisten, die sich als Abschluss des Bodens am untersten Teil der Wand entlangziehen.

Manchmal wird auf eine Sockelleiste verzichtet und es wird stattdessen eine Silikonfuge gezogen. Für diese Variante muss der Parkett schon viel genauer verlegt werden, denn anders als bei einer Sockelleiste «verschwinden» unebene oder etwas unsaubere Abschlüsse nicht.

Dies ist auch bei der folgenden Variante der Fall: Filzabschlüsse.

Entlang der Fensterfront und den Wänden wurden in die Schattenfuge des Parketts Filzstreifen als Abschluss eingelegt.

Meine Aufgabe war es, mit Hilfe von Filzstreifen die Randabschlüsse herzustellen. Für mich etwas ganz Neues.

Aus Gründen der Nachhaltigkeit war der Eichenriemenparkett nicht geklebt. Es handelte sich um ein Vollholzparkett mit 20mm Stärke und war verschraubt worden. Weil davon ausgegangen wurde das der Boden bis zum Sommer noch wächst, wären Silikonfugen nicht optimal. So landete man beim Filz.

Auch bei den Säulen die aus statischen Gründen an strategischen Stellen positioniert sind, wurden Filzstreifen eingelegt.

Während drei Tagen schnitt ich die angelieferten Wollfilzstreifen zu und verlegte 155m davon im ganzen Haus, in jedem Zimmer und allen Nasszellen.

Dabei hatte das Parkett in den zwei Monaten seit Verlegung bereits «gearbeitet» und die Abstände zu Wänden und Fenster waren je nach Laufrichtung unterschiedlich geworden.

Auch bei Türen und Ecken wurden sämtlich Filzstreifen eingelegt.

Jede kleinste Ecke wurde ausgekleidet.

Mit selber hat die Arbeit Spass gemacht. Allerdings, wie sich das Ganze langfristig gesehen im Alltag halten wird, muss sich jetzt erst noch zeigen. Ich bin gespannt!

Für diesen Artikel habe ich meine Schulunterlagen der höheren Fachschule Südostschweiz – ibw – beigezogen.

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