Es ist einfach, irgendein kostenloses Grafiktool als Hilfe für Entwürfe zu nehmen und dir dort Sujets zusammenzubasteln, diese auf das Produkt deiner Wahl zu visualisieren und sie dann auf Online-Marktplätzen zu verscherbeln.

Um nach dieser Vorgehensweise zu handeln, gibt es viele Print on Demand-Angebote. Darunter versteht man Druckereien, die ein grosses Sortiment an Artikeln an Lager halten, die mit deinem Dessin oder Sujet bedruckt werden können. Seien es Textilien, Handyhüllen, Schreibwaren oder Tassen. Vieles ist möglich. Dabei wird das Stück erst hergestellt, wenn eine Bestellung dafür vorhanden ist.

Mit der richtigen Strategie lässt sich fast alles verkaufen. Das Produkt an sich ist nicht wichtig, sondern eigentlich nur, dass man damit möglichst einfach Geld verdienen kann. Diese Taktik ist nicht meine, denn für mich ist das kein eigentliches Musterdesign.

Ein Muster von Hand zu zeichnen ist für mich nicht nur das, worunter ich Kreativität verstehe, es ist auch beruhigend und somit positiv für die mentale Stärke. Es ist nachgewiesen, das kreative Arbeit der Psyche guttut. Damit meine ich die Arbeit mit den zwei Händen, ohne den Einsatz eines digitalen Helfers.

Vielleicht denkst du jetzt, dass du dazu nicht genug kreativ bist. Oder das du nicht gut genug zeichnen kannst. Vielleicht hat dir auch jemand eingeredet, das du nicht genügend Ideen hast.

Das alles trifft NICHT zu. Erstens sind die Geschmäcker verschieden und zweitens lässt sich auch Kreativität trainieren. Zeichnen ist wie das Fahrradfahren eine Übungssache. Alles was du versuchen sollst: Deinen Stil zu finden und diesem innerhalb der normalen Wandlung treu zu bleiben. Dies ist dann dein Erkennungsfaktor.

Hier liest du, was ein Rapport ist und wie du selber ein Muster entwerfen kannst:

Inspiration für deine Musterentwürfe und den Rapport

Die Welt der Muster ist so unendlich gross und so unendlich spannend. Wenn man versucht, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, begegnen einem an jeder Ecke und in jeder Biegung Muster in ihrer unglaublichen Vielfalt.

Dabei ist die Natur selbst der grösste Ideengeber, aber auch von Menschen geschaffenes kann die Vorlage für Neues sein.

  • Schau auf den Boden und du siehst den jahrhundertealten Steinboden.
  • Lege den Kopf in den Nacken und schau in den Himmel.
  • Besuche Ausstellungen in Kunst und Handwerk, auch sie bieten so viel.
Vorlage aus der Natur und Kunst für den Entwurf von Motiven und Rapporte für Textildesign und Tapeten.

Aber was ist denn nun ein Rapport?

Ich habe in meinem Beitrag Die Geschichte der Dessins und Rapporte in der Textilkunst bereits über Muster und den Stoffdruck mit Druckmodeln geschrieben. Wenn du magst, lies auch dort nach.

Bevor du die Herstellung eines Rapportes angehen kannst, musst du ein Motiv oder Muster suchen. Das kann alles, aber wirklich alles sein, Hauptsache es gefällt dir.

Dabei ist ein Motiv ein in sich abgeschlossenes Muster, das einzeln oder auch in Wiederholung stehen kann und immer «fertig» aussieht.

Hier zwei Beispiele:

Die Feder als einzelnes Motiv und in verschiedener Anordnung: Einfach, gespiegelt, horizontal versetzt und vertikal versetzt.

Oder ein Kreis mit Musterschattierungen, in gleichen Anordnungsvarianten wie die Feder:

Eine Kugel mit Schattierungen, die zu Mitte hin heller werden. Ein einzelnes, in sich abgeschlossenes Motiv.

Beide Beispiele könnten eine fertige Oberfläche für Stoffe, Tapeten oder Schreibwaren darstellen. Ich habe sie hier als Bleistiftzeichnungen aus meinem Skizzenbuch gezeigt.  Coloriert, also farbig ausgestaltet, oder anders ausgezeichnet würde sich die Optik nochmals völlig verändern.

Das funktioniert aber nicht oder nur bedingt bei komplexeren Flächen. Als Beispiel die vorher gezeigten Fotos:

Die Ränder der Fotos sind klar zu erkennen. Es gibt keinen stimmigen Musterverlauf, das ganze wirkt irgendwie unruhig.

Wir haben hier also Muster, die als Vorlage dienen können, jedoch für die ständige Wiederholung vorbereitet werden müssen. Ein Rapport muss hergestellt werden.

Doch, was ist ein Rapport? Hier die Erklärung:

Mit einem Rapport ist folgendes gemeint: Ein ständig wiederkehrendes Bild ohne sichtbare Unterbrechung an deren Rändern. Oder: Ein Musterbereich, der immer wieder genommen und vertikal und horizontal über die gesamte Oberfläche kopiert wird, so dass dies nur undeutlich oder gar nicht sichtbar ist.

So stellst du Rapporte für Tapeten, Textilien und Schreibwaren her:

Geometrisches Muster:

Du brauchst nur Papier und Bleistift. Kein Tablet mit Zeichnungsstift, kein Laptop, keine Software. Das Muster von Hand zu zeichnen ist pure Entspannung und wird dir Freude machen.

  1. Nimm ein Blatt Papier, A4 oder A3. Zeichne darauf mittig dein Muster auf.

2. Drehe das Blatt um und unterteile es in vier gleichgrosse Rechtecke. Nummeriere die Rechtecke mit 1 bis 4. Schneide das Papier vertikal durch.

3. Klebe es so wie auf dem Foto unten zusammen.

4. Jetzt drehst du das Blatt wieder um und ergänzt dein Muster mittig auf dem Blatt. Oben und unten lässt du noch frei.

5. Jetzt schneidest du die geklebte Linie auseinander und setzt es in ursprünglichem Zustand wieder zusammen. Dann schneidest du das Papier horizontal entzwei und klebst es wie auf dem Bild unten zusammen.

6. Jetzt ergänzt du die leeren Stellen in deinem Muster.

7. Und wieder die geklebte Linie trennen und in seinen anfänglichen Zustand zurückversetzen.

8. Glückwunsch! Du hast soeben deinen ersten Muster-Rapport hergestellt.

Ab hier kannst du digitale Werkzeuge nutzen. Es wäre gut, einen Scanner zur Hand zu haben, damit du dein Blatt einscannen kannst. Weil mein Scanner defekt ist, habe ich meinen Rapport fotografiert und ihn so «weiterverarbeitet». Aber das ist eigentlich nicht ok, denn die Ränder meines Rapports stimmen nun nicht mehr ganz exakt.

Ich kann dir aber trotzdem zeigen, wie du weitergehen kannst: Wenn du deinen Musterausschnitt jetzt immer und immer wieder zusammenfügst, sieht das dann so aus:

Bei diesem Entwurf handelt es sich um ein geometrisches Muster. Ich kann diesen Aspekt noch weiter herausholen, wenn ich das Design entsprechend coloriere. Entweder einzelne Formen, oder die ganze Fläche. Damit du verschiedene Varianten ausprobieren kannst, empfehle ich dir deinen Entwurf einige Male vor der Colorierung zu kopieren.

Was meinst du? Wäre das nicht eine schöne Tapete, um eine Wand in einem Restaurant oder Café damit zu verzieren? Dann noch ein paar schwarzweisse Bilder in schönen Holzrahmen davorhängen, Möbel im Wiener Kaffeehaus-Stil…

Thematisches Muster

In meinem Beispiel ist das der Schmetterling, oder im Dialekt meiner Region ausgedrückt: Der Flickflauder.

Die Vorgehensweise für die Herstellung des Rapports ist genau gleich wie oben erklärt:

Wenn du genau schaust, kannst du erkennen, das der Rapport noch «Löcher» aufweist. In der Mitte des oberen Bildes ist das besonders gut zu erkennen. Für die weiterverarbeitete Variante des Rapports mit einer schüchternen Colorierung habe ich die «Löcher» etwas gestopft

Dieses Dessin kann ich mir gut für Bettwäsche vorstellen. Die Oberseite mit diesem Muster, die Unterseite jedoch mit einem passenden Uni-Stoff ergänzt.

Der Schmetterling steht für Veränderung (Metamorphose) und gehört zu einem meiner Lieblingssymbole. So wie der Kreis, der die Unendlichkeit ohne Ecken und Kanten darstellt.

Überlege dir deine Favoriten. Getrau dich, nimm Papier und Stift zur Hand und lege los! Viel Spass dabei.

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Dann lies meinen Beitrag: Finde dein Stil – die Suche nach der eigenen Handschrift

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Tausendsassa, Vielinteressierte und Autodidaktin.

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Meine Bücher sind im Handel erhältlich:

Cover des Buches "Dein Stil" von Sandra Möslí, mit dem Untertitel "Handwerk und die Suche nach der eigenen Handschrift", umgeben von verschiedenen Werkzeugen.
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