Blogs mit dem Thema Interior-Design gibt es wie Sand am Meer. Was jetzt abwertend klingt, ist nicht so gemeint. Viele dieser Sandkörner sind ansprechend gestaltet und bieten gute Inhalte. Sie alle haben etwas gemeinsam: Diese Blogs beschäftigen sich mit den neuesten Trends punkto Inneneinrichtung und Lifestyle. Manchmal beschäftigen sie sich mit Designklassikern.

Aber keiner beschäftigt sich mit der Geschichte, warum wir leben wie wir leben. Wenige Blogs befassen sich zudem mit der Kunst des Handwerks, was die einzelnen Details der Wohnstile erst möglich machte. Mein Interesse gilt nicht den Trends und der Schnelllebigkeit. Mein Interesse gilt dem, wie alles gekommen ist. Wie man es herstellt und altes Wissen bewahrt. Starten wir mit dem allerersten Beitrag auf diesem Blog.

Das kannst du hier lesen:

Bretterverschläge, Steinklötze und Stahlskelette – die Entwicklung der Innenräume nimmt ihren Anfang

Bereits unsere Urahnen, die Jäger und Sammler, begannen aus Farben, die sie aus dem herstellten was die Natur hergab, die Wände ihrer Höhlen zu verschönern. Bekanntestes Beispiel sind die Höhlen von Lascaux in der französischen Dordogne. Mit einer wunderschönen Leichtigkeit und einem erstaunlichen Verständnis für Perspektive sind dort Malereien zu bewundern deren Motive beeindrucken.

Höhlen von Lascaux

Seit diesen Höhlenmalereien zog sich die Entwicklung in den Wohngewohnheiten der Menschen langsam über Jahrhunderte hinweg, bis die industrielle Revolution in England ihren Anfang nahm. Von da weg stieg das Tempo enorm.

Obwohl uns langfristig gesehen die industrielle Revolution das Leben besser und bequemer machte, nahm im 19. Jahrhundert die Verelendung der Bevölkerung zu.

Armut und Überfluss prägt die Wohngeschichte

Arm und Reich gab es seit Menschengedenken.

Freie und unfreie gab es über Jahrtausende.

Entsprechend ihrer Stellung war das Heim der Menschen. Auf uns, die wir in der heutigen Zeit leben, mögen die Lebensgewohnheiten der frühen Jahrhunderte extrem primitiv wirken. Damals wie heute gab es jedoch Dinge, die für die einen unerreichbar und für den anderen im Überfluss vorhanden waren. Die reicheren besassen schon früher deutlich mehr Gegenstände als die ärmeren.

Industrielle Revolution – die Schere steht weit offen. Krasse Gegensätze im Wohnen

Offen stand die Schere aber erst zu Zeiten der industriellen Revolution. Krasse Gegensätze taten sich auf. Die Wohlhabenden und jene, die es durch den technischen Fortschritt erst geworden waren, bewohnten grosse Häuser oder Villen. Sie assen von luxuriösen Porzellantellern während sie auf Stühlen von Chippendale sassen.

Die ärmsten von ihnen, die Arbeiter in den Kohlebergwerken, trugen zum Teil nicht einmal Kleidung, gaben ihren kläglichen Lohn für Alkohol aus und wohnten in Zelten oder Kartonhäusern. Die Kinder wurden schon mit sechs Jahren an den Arbeitsplatz mitgenommen, damit diese zum Lebensunterhalt mittrugen.

Zur gleichen Zeit wurden die Kinder der wohlhabenden schon von klein an dazu erzogen, sich wie Erwachsene zu benehmen und sonst möglichst unsichtbar zu bleiben.

Krankheiten breiteten sich immer schneller aus, denn bis dahin hatten nie so viele Menschen auf so wenig Raum gelebt wie zu Zeiten der industriellen Revolution. Die hygienischen Zustände waren katastrophal.

Finanzielle Revolution und die Kreditvergabe

Die finanzielle Revolution mit dem entwickelten Bankenwesen und der neuen Kreditvergabe schuf die Grundlage, damit es überhaupt zur industriellen Revolution kommen konnte. Nun war es möglich, Geld zu leihen um Maschinen kaufen zu können.

Richard Arkwright nutzte diese neue Möglichkeit. Mit der Erfindung seiner Spinnmaschine 1769 und anschliessend des Fabriksystems um 1771 läutete er eine neue Entwicklung ein. Kleine, selbständig arbeitende Handwerker und Heimarbeiter wurden preislich unterboten. Dies zwang sie dazu, auf dem Land ihre kleinen Bauernhöfe aufzugeben.

Die Menschen strömten in die Stadt. Lebten vorher mehr Menschen auf dem Land, war es bis Anfangs des 1. Weltkrieges umgekehrt. Wohnkomplexe wurden in aller Eile hochgezogen, die nicht einmal den mindesten Sicherheitsansprüchen standhielten. Die Menschen kamen vom Regen in die Traufe.

War das Leben auf ihrem kleinen Hof von strenger Arbeit und einem kargen Mahl geprägt, schufteten sie nun zwölf bis sechzehn Stunden bei schlechtem Licht und ungenügenden klimatischen Verhältnissen.

Sonntags, dem einzigen freien Tag, war kein Geld vorhanden für eine kleine Vergnügung. Oftmals nicht einmal für eine nahrhafte Mahlzeit. Was für den Grossindustriellen eine Zumutung gewesen wäre, bedeutete für manche Familie Luxus: Wenn sie ein 10m2 grosses Zimmer ihr Zuhause nennen konnte.

Millionär werden – du bist es schon!

Unser Leben in unseren vier Wänden ist seit diesen Zeiten viel bequemer geworden. Im Verhältnis zu diesen Menschen sind wir alle Millionäre.

Uns geht es aber nur darum so gut, weil genau diese Menschen uns den Weg zu diesem Standard geebnet haben. Hochachtung verdienen auch jene, die sich nicht scheuten in den Armenvierteln zu fotografieren und die schlimmen Zustände zu beschreiben.

Jacob Riis fand den Mut, mischte sich in die Armenviertel von New York und fotografierte, um zu dokumentieren. Sein 1890 erschienenes Buch «Wie die andere Hälfte lebt» fand zuerst keine grosse Beachtung. Man wollte nicht sehen.  Die Wohlhabenden waren der festen Überzeugung, dass die Armen an ihren Verhältnissen selbst schuld seien.

Eine historische Schwarz-Weiß-Fotoaufnahme einer Familie in einem kleinen, beengten Raum. Mehrere Kinder und Erwachsene sind sichtbar, das Zimmer ist einfach eingerichtet und spärlich dekoriert.
Jakob Riis – Wie die andere Hälfte lebt

Trotzdem trat ganz langsam eine Wendung ein. Die Regierungen verschiedener Länder erwachten und begannen mit den ersten Gesetzen. Kinder durften nicht mehr mit sechs, sondern erst ab 14 Jahren arbeiten gehen. Schulbildung wurde obligatorisch und das Arbeitsgesetz entstand.

Unsere letzten Jahre werden durch die Gründung der Altersrente und Pensionskasse mit gesichert und wir haben jährliches  Anrecht auf bezahlten Urlaub. Wir leben im Luxus.

Das Problem ist allerdings nicht behoben. Wir haben es einfach ans andere Ende der Welt, in die armen Länder verschoben…

Der Schluss vom Anfang meines Wohngeschichtsblogs

In diesem Beitrag bin ich durch die Jahrhunderte gerast. Wenn ich in den folgenden Beiträgen detaillierter von der Beschreibung der Entwicklung der einzelnen Räume unseres Zuhauses beginne, stelle ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Gebiet ist riesig und beim Recherchieren stosse ich immer wieder auf neue Themen.

Mein Ziel ist kein wissenschaftliches Werk, sondern Beträge zu schreiben die kurz und bündig Wissen vermitteln und von meinen Erfahrungen berichten.

Ich hoffe, das wird mir gelingen. Ich hoffe, ich werde dich da draussen fesseln. Ich hoffe, du da draussen wirst meine Beiträge abonnieren. Ich hoffe, du da draussen wirst mit Kommentaren am Geschriebenen teilnehmen und auch mitteilen, wenn du mal nicht meiner Meinung sein sollest. Vielen Dank schon jetzt für den Support.


Entdecke mehr von Handwerk und Wohnen

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Schreibe einen Kommentar

Ich bin Sandra

Tausendsassa, Vielinteressierte und Autodidaktin.

Als Selbständige biete ich meine Arbeitsleistung im kreativen Handwerk. Sei es in praktischer Arbeit, oder Bereich Bildung/Ausbildung. Meine genauen Dienstleistungen findest du hier.

Meine Bücher sind im Handel erhältlich:

Cover des Buches "Dein Stil" von Sandra Möslí, mit dem Untertitel "Handwerk und die Suche nach der eigenen Handschrift", umgeben von verschiedenen Werkzeugen.
Cover of the book 'Vom Entwurf zur Realität' by Sandra Mösl, featuring a vibrant green background with various craft-related icons and text about successful projects in creative craftsmanship.

Du findest hier Artikel zu folgenden Themen:


Mit deinem Trinkgeld kannst du mir eine kleine Anerkennung zukommen lassen. Vielen Dank!


Entdecke mehr von Handwerk und Wohnen

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen