Küchen der Geschichte: Arbeit oder Entspannung?

aktualisiert am 8. September 2025

Die KüchePraktischer Raum oder Oase der Entspannung?

So individuell diese Frage beantwortet würde, so individuell sind die Ansprüche, wie eine Küche auszusehen hat. Diese handgezeichnete Zweipunkt-Perspektive fertigte ich im Jahr 2017. Sie gehört zu einer Semesterarbeit, die zum Thema hatte, eine praktische, robuste und dennoch hübsche Küche für eine Familie mit kleinem bis mittlerem Budget zu planen.

Zugegeben, heute würde das bei mir anders aussehen. Die Perspektive an sich finde ich ganz in Ordnung, aber die Colorierung erscheint mir etwas schwerfällig.

Die handgezeichnete Zweipunktperspektive einer Küche, handcoloriert. Die Zeichnung zeigt eine L-förmige Küche ohne Oberbauten. Es gibt nur Unterbauten oder Hochschränke. Wegen der Anordnung der Fenster ist es nicht anders möglich. Eine grössere Insel bietet genug Platz für Ablage, Rüsten und Schneiden. Der in der Nähe stehende Esstisch mit acht Stühlen macht das Kochen zum geselligen Erlebnis.

Wie dem auch sei, ohne Küche wäre unsere heutige Art zu wohnen nicht mehr denkbar. War sie in ihren Anfängen eine Feuerstelle in der Mitte eines Raumes, der zugleich die Schlafstatt beherbergte und den Wohnraum bildete, so ist es heute in den modernen Loftwohnungen nicht anders. Parallel zur Entwicklung der Küche entstand auch die Esskultur, über die habe ich hier geschrieben.

Zwischen Anfang und heute steht allerdings eine mächtige Entwicklung. Waren die ersten Küchen reine Funktionsanlagen, können sie heute Ausdruck des persönlichen Lebensstils werden.

Die „Küche“ vor zwei Millionen Jahren

Eine so unglaubliche Zeitspanne, dass es schon fast nicht mehr wichtig erscheint, wie viele Jahre es tatsächlich sind.

Damals lernte der Mensch der Umgang mit dem Feuer. Unsere Vorfahren begannen, mit Hilfe der Flamme zu garen. Ob eine einzige Person entdeckt hat, dass gekochtes Essen nicht nur schmackhafter, sondern auch bekömmlicher ist und diese Neuigkeit so Verbreitung fand oder ob in mehreren Gegenden relativ zur gleichen Zeit diese Entdeckung gemacht wurde ist unklar.

Jedenfalls: Der Mensch begann zu kochen. Dies beweisen Grabungsfunde, die auf das 8. Jahrtausend v. Chr. datiert wurden. Die „Küche“ bestand aus Löchern im Boden, aus einfachen Lehmöfen, offenen Feuerstellen und Mahlsteinen in Innenhöfen von strohgedeckten Lehmhütten. Vermutlich wurden diese Kochgelegenheiten gemeinschaftlich genutzt, von sämtlichen Bewohnern der umliegenden Hütten.

Kochgeschirr, das der Hitze des Feuers standhielt, war noch unbekannt. Das zu bratende oder erhitzende Nahrungsgut wurde entweder direkt in die Asche gelegt, am Stecken über dem Feuer gebacken oder in Lederschläuchen erhitzt.

Ein Blick in die Küchen der Antike

Im alten Griechenland und auch im antiken Rom waren die Häuser meist im Atrium-Stil gebaut. Deren überdachter, aber sonst offener Innenhof diente meist als Küche. Nur in den wohlhabenderen Häusern bildete die Küche einen separaten Raum.

Handgezeichnete Perspektive eines Hauses im Atrium-Stil des antiken Roms. Die nach innen geneigten Dächer sammeln das Wasser im den beiden Wasserbecken und Innenhöfen, von denen die verschiedenen Räume abzweigen. Das Peristyl, also der Säulengang, ist sehr gut zu sehen.

Zeichnung eines Atrium-Hauses im antiken Rom.

Im antiken Rom besass die ärmere Bevölkerung keine eigene Küche. Stattdessen wurden die Menschen durch öffentliche Garküchen versorgt, das Brot wurde in zentralisierten Bäckereien gebacken.

Die wohlhabenden Römer waren jedoch sehr gut eingerichtet. In einer römischen Villa war die Küche ein separater Raum im Hauptgebäude, meist beim Atrium. Der Name stammt vom lateinischen Wort für schwarz – „ater“ – weil durch den Russ des Feuers die Wände des Atriums geschwärzt wurden.

Bewirtschaftet wurde der Raum ausschliesslich von Sklaven.

In einer römischen Küche

Alltägliche Küchen-Gegenstände aus einem reichen Haushalt des antiken Roms, gefunden bei Ausgrabungen.

Aus meiner Primarschulzeit: Ein Arbeitsblatt zum Thema der Küche im antiken Rom, ergänzt mit der damals obligatorischen Schnürlischrift.

Verglichen mit heute waren die römischen Küchen sehr einfach eingerichtet. Der Herd bestand aus einer Platte aus Ziegelsteinen, die flach auf dem Erdboden ausgelegt waren. Hier wurde das Feuer entzündet. Eiserne Ständer, an denen die Kochtöpfe hingen, wurden nahe ans Feuer geschoben. Manchmal waren auch lange, starke Haken in die Wand eingemauert, dann konnte ein Topf auch dort über der Glut aufgehängt werden.

Sehr selten lagen die Herdplatten auf einem gemauerten Sockel, so dass in bequemerer Höhe gearbeitet werden konnte.

Kamine gab es noch nicht, die Räume waren immer schwarz und sehr verrusst. Nur ein kleines Fensterchen sorgte dafür, das Gerüche, Dampf und Rauch abziehen konnten.

In keiner römischen Küche fehlte das Mortarium, eine grosse Schüssel aus Ton mit durch Steinsplitter gespickten Innenwänden. Darin wurde alles zerrieben und zerkleinert, was zum Würzen der Speisen benötigt wurde. Der Vorgänger unseres heutigen Mörsers.

Auf den Ablagen standen Krüge mit feinem Olivenöl aus Italien. Amphoren mit Essig oder der beliebten Fischsauce Garum lehnten in einer Ecke. Körbe mit Gemüse und getrockneten Gewürzen und Säcke mit Mehl, aus dem das Brot gebacken wurde, standen herum.

Die Römer warfen beim Essen Abfälle wie Knochen oder Eierschalen einfach auf den Boden. Die Sklaven fegten nach dem Mahl den Unrat in die Küche und stampften ihn im Lehmboden fest. Von Zeit zu Zeit wurde der Boden mit einer neuen Lehmschicht überzogen.

Die Essgewohnheiten der reichen Römer

… waren recht vielfältig: Hasenbraten, Rind- und Kalbfleisch, Schweinefleisch, Lamm und Ziegen. Hinzu kam allerlei Geflügel von Huhn, Ente und Gans bis hin zu Buchfinken, Drosseln, Amseln und natürlich Rebhuhn. Auch Eier spielten eine grosse Rolle.

Aus Italien kam die geliebte Fischsauce Garum, das Olivenöl, eingemachte Bohnen und manchmal sogar, dies aber selten, Austern. Als Nachtisch wurden Früchte genossen: Pfirsiche, Zwetschgen, Trauben und Pflaumen.

Die Nahrung der einfachen Römer...

… war wesentlich eintöniger: Brot, Erbsen, Linsen, Bohnen, Zwiebeln und andere Gemüse, selten ein Stück Fleisch.

(Hier kannst du weiteres über das antike Rom nachlesen)

Die Küchen der Romanik und dem Mittelalter

Europäische Häuser im frühen Mittelalter (ca. 9. Jahrhundert, zum Beginn der Romanik) besassen nur eine offene Feuerstelle unter dem höchsten Punkt des Daches. Sie lag vertieft im Boden und war mit Steinen ausgekleidet. Anstelle eines Kamins diente ein Loch im Dach als Rauchabzug. Die Feuerstelle diente nicht nur zum Kochen, sondern war auch Wärme- und Lichtquelle in den fensterlosen Ein-Raum-Häusern.

In den grösseren und somit wohlhabenderen Haushalten war die Küche oft in einem separaten Gebäude vom Hautgebäude entfernt untergebracht. Dies diente zu Repräsentationszwecken, denn das Hauptgebäude konnte so von Rauch und Gerüchen freigehalten werden.

Über die gesamte Zeitspanne des Mittelalters wurden die Küchen praktisch nicht verändert und blieben von der Zeit unberührt. In den europäischen Städten waren sie wegen der offenen Feuerstellen verrusste und dunkle Höhlen. Oft waren diese Feuerstellen schuld, dass die Städte mit ihren Holzhäusern immer wieder von Feuersbrünsten heimgesucht wurden. Ein bekanntes Beispiel ist der grosse Brand in London vom 2. September 1666, der fünf Tage wütete und bis Mitte September schwelte. Vier Fünftel der Stadt wurde zerstört, 80’000 Menschen waren obdachlos.

Erst durch das Aufkommen des Kamins wurde die Feuerstelle von der Mitte des Raumes an die Wand verlegt. Der Schornstein diente gleichzeitig als Räucherkammer für Würste und Schinken.

Im Spätmittelalter war in den Gebäuden der Oberklasse das Kochen Sache der Bediensteten und die Küche daher immer weiter vom eigentlichen Essplatz entfernt. Einfache Speisenaufzüge mussten eingerichtet werden, um das Essen von der Küche in den Essraum zu schaffen.

Während bei der ärmeren Bevölkerung praktisch keine Veränderung bezüglich Küche vonstattenging, wurden diejenigen der Adligen und wohlhabenden immer luxuriöser. Die Küchen umfassten einen Tischherd mit einem System von Bratspiessen für unterschiedliche Aufgaben, einen Backofen für Pasteten und Kuchen, Waschbecken zum Richten von Gemüse und Fisch, und Mörser. Erstmals gab es auch Regale und Aufhängungen für Schalen, Teller, Küchengeräte und Werkzeug.

Fazit: Ist die Küchenarbeit Arbeit oder Entspannung?

Alle Teige von Hand kneten, den Eischnee mit eigener Körperkraft steif schlagen und zeitgleich Holz hacken, damit das Feuer bloss nicht auslöscht und die Glut erhalten bleibt: Ich stelle es mir stressig vor und würde das Kochen der früheren Jahrhunderte eindeutig in die Klasse «Arbeit» einstufen.

Aber vermutlich täte es auch gut, diese Art zu kochen einmal selber zu erleben. Einfach, um wieder einmal vor Augen geführt zu bekommen, wie bequem wir es heute haben und welch immense Zeitersparnis uns alle Küchengeräte geben.

Da fällt mir eine Weisheit ein, die ich einst im Freilichtmuseum Ballenberg entdeckt habe. «Alles wurde schneller, um mehr Zeit zu haben. Aber wir haben nicht mehr Zeit». Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

Quellen:

  • GEO EPOCHE, Magazin für Geschichte, Nr. 18, London, Geschichte   einer Weltstadt, 2005
  • P.M. History, Januar 2009, Die letzten Tage von Pompeji
  • Geschichte des Wohnens, Vom Mittelalter bis heute, Fuhrmann / Meteling / Rajkay / Weipert, Primus Verlag 2008, ISBN 978-3-89678-619-7
  • Was ist Kunst, Kaiser Verlag, ISBN 978-3-7043-9011-9
  • Wikipedia.org


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Ich bin Sandra

Tausendsassa, Vielinteressierte und Autodidaktin.

Als Selbständige biete ich meine Arbeitsleistung im kreativen Handwerk. Sei es in praktischer Arbeit, oder Bereich Bildung/Ausbildung. Meine genauen Dienstleistungen findest du hier.

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Cover of the book 'Vom Entwurf zur Realität' by Sandra Mösl, featuring a vibrant green background with various craft-related icons and text about successful projects in creative craftsmanship.

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