Ich kann nicht sagen, dass ich beim romanischen Baustil in Begeisterungsstürme ausbreche. Er erscheint mir zu schwerfällig.
In meiner Meinung beeinflusst werde ich wohl auch durch das Wissen, welchen Hintergrund die Bauten haben.: Während die Häuser der Bauern noch einfach aus Holz gebaut wurden, bezieht sich der Stil der Epoche nämlich vor allem auf Burgen, Klöster und Kirchen.
Die romanischen Bauwerke hatten nur ein Ziel: Macht zu demonstrieren. Wobei Macht an sich ja nicht per se etwas Schlechtes ist. Denn Macht über mich selbst zu haben bringt mich in die Lage, nach dem zu leben, was für mich erstrebenswert ist. Aber keine Macht über mich selbst zu haben, bringt mich in die Abhängigkeit anderer und deren Meinung. Genau damit «spielte» die Kirche jahrhundertelang. Das Spiel mit Schuld und Scham beherrschte sie perfekt.
Noch vor der Zeit der Romanik, aber nach den Völkerwanderungen und dem damit verbundenen Chaos, war das Christentum etwa ab 391 Staatsreligion in Westeuropa.
Einen einheitlichen Architektur-Stil auszubreiten begann sich erst ungefähr im 8. Jahrhundert. Deswegen wird die Romanik als die erste Epoche nach der Antike genannt.
Das kannst du hier lesen:
- Die Romanik und die Religion
- Die Romanik und die Architektur
- Handwerkskunst in der Romanik
- Im Inneren der romanischen Häuser
- Mein Fazit zur Romanik
Die Romanik und die Religion
In der Romanik, die ungefähr in den Jahren von 900 n. Chr bis 1200 n. Chr. währte, hatte die klösterliche Lebensform eine sehr hohe Bedeutung. Um in einen Orden eintreten zu können war es üblich, dem Kloster eine Schenkung zu machen. Somit konnte ein Leben im Dienst der Kirche nur in Betracht ziehen, wer über Vermögen oder Grundbesitz verfügte. Deswegen waren die Klöster mehrheitlich Adelsklöster und besassen eine riesige Macht.
Wer sich aus der niederen Bevölkerung am Bau eines Gotteshauses mit körperlicher Arbeit beteiligte, durfte auf die Gnade Gottes bauen – lange vor dem Ablasshandel.
Und so sind die romanischen Bauten mit Macht und deren Demonstration verbunden. Die antiken Kulturen der Römer und Griechen wurden weder geschätzt, noch deren Bedeutung Beachtung geschenkt. Deren Bauwerke wurden geplündert und als «Steinbrüche» für die romanischen Macht-Bauten missbraucht.
Architekten und Künstler blieben anonym, weil ihr Schaffen alleine der Ehre Gottes zu dienen hatte. Auch dank billiger Arbeitskräfte durch die Lehensbauern, gelangte die Kirche zu immer noch mehr Macht und war so in der Lage, die prachtvollen Klöster und Kirchen zu errichten, die wir zum Teil noch heute bewundern dürfen.
Ritter stellten ihre Kampfeskunst in den Dienst der Kirche und so war es erst möglich geworden, dass Papst Urban II im Jahre 1095 zu den Kreuzzügen aufrufen konnte.
Obwohl die Bibel als ursprünglich gutes Werk durch Egoismus, Machtgelüste und Geldgier missbraucht wurde, leisteten die Klöster auch grosse Pionierarbeit im Bereich Handwerk, Gewerbe und Medizin.
Die Romanik und die Architektur
Die Architektur war zu Beginn noch relativ schmucklos, steigerte sich aber zu späterer Zeit zu einer grösseren Ornamentik.
Typisch für die romanische Architektur sind die Zwillingsfenster und Zwillingssäulen. Auch das Würfelkapitell ist ein wichtiger Erkennungsfaktor, sowie Rundbogen und Tonnengewölbe und in der spätromanischen Zeit das Kreuzgewölbe.


Links oben das Würfelkapitell, links ein Zwillingsfenster und rechts Zwillingssäulen
Weitere Merkmale sind verschiedene Friese, die zu dekorationszwecken in der späteren romanischen Architektur aufgenommen wurden:
Schachbrettfries: Wird auch Klötzchenfries genannt. Am Bauwerk wird es nicht durch die Farben schwarz und weiss erzielt, sondern abwechselnd durch ein flaches Quadrat, an das ein quadratisches Klötzchen anschliesst. So entsteht ein reliefartiges Band.

Zahnschnitt: Bei diesem Fries werden die rechteckigen Steine schräg gestellt angeordnet.

Diamantenfries: Lauter kleine „Pyramiden“ werden in einer Reihe angeordnet. Die Spitze zeigt zum Betrachter.

Handwerkskunst in der Romanik
Um das Jahr 1000 begann die Zeit der Glasmalerei, die dann in der Gotik vollends erblühte.
Eine andere Handwerkskunst erhielt durch den Wandteppich von Bayeux einen Auftrieb: Auf einem Leinenstreifen von 70 Metern Länge !!! und einer Breite von 50cm hatte Königin Mathilde, Gattin des Normannenherzogs Wilhelm, um 1080 die Eroberung Englands durch die Normannen bildlich mit Stickerei dargestellt.
Bei den Textilien war Wolle und Leinen gängig. Hohe Qualität bei den Reichen, mindere Qualität für die Armen.
Durch die Kreuzzüge gelangte das Spinnrad und der Tretwebstuhl nach Mitteleuropa, und der Beginn einer eigenen Seidenproduktion schächte den Handel mit Seidenstoffen aus Byzanz.
Verziert wurden die Gewebe der Reichen mit regelmässig angeordneten Sternen und Kreuzen. Spätere Seidengewebe waren stark vom Orient beeinflusst. Symbolfiguren, Fabelwesen und oft auch der Granatapfel schmückten die Stoffe.
In der Mode gab es zum ersten Mal so etwas wie eine Schnitttechnik. Der Beruf des Schneiders erwachte zum Leben. In Nürnberg wurde die Stecknadel erfunden, was das schneidern zusätzlich erleichterte.
Das Tragen der Kleidung war per Gesetz in einer Kleiderordnung reglementiert. Nach jeweiligem Stand entsprechend war die Art und Farbe der Bekleidung vorgeschrieben.
Im Inneren der romanischen Häuser
Da viele Bauten kirchlich oder sonst von Fürsten und Königen errichtet wurden, wird’s schwieriger mit den Inneneinrichtungen von uns Normalos. Grundsätzlich waren die Möbel schwer und nicht sehr sorgfältig gearbeitet. Mit der Axt gehauene, ansonsten unbehandelte Bretter hielt man mit geschmiedeten Bändern zusammen. Ein Schleifen oder Fasen der Kanten kannte man noch nicht, auch die Brettoberfläche blieb rauh.
Beim Mobiliar war bereits etwas in Gebrauch, was wir heute wohl als selbstverständlich, jedoch als unverzichtbar ansehen: Der Faltstuhl. Die Hölzer waren über Kreuz miteinander beweglich verbunden. Die Sitzfläche bestand aus Leder.
Stühle an sich waren klobig, mit völlig gerader Lehne und erinnerten an eine Art Thron. Bequem waren sie vermutlich nicht. Die rauhen, unbehandelten Holz-Oberflächen „schmirgelten“ sich mit den darauf sitzenden Hintern mit der Zeit ab. So stelle ich mir das zumindest vor.
Ihre Habseligkeiten, die nicht sehr zahlreich gewesen sein dürften, bewahrten die einfachen Bürger in der Truhe auf.
In der späteren Romanik wird’s etwas feiner und es findet sich auch gedrechseltes, das heisst, runde und weniger klobige Formen. Die Drehbank an sich war nichts neues, schon die Griechen und Römer kannten diese Art der Formgebung von Holz. Im Chaos der Vor-Romanik schien die Technik jedoch kurzzeitig vergessen gegangen zu sein.
Was die Esskultur der Romanik betrifft, das kann du hier nachlesen: Die Stilepochen in der Esskultur
Mein Fazit zur Romanik
Es gibt ein romanisches Bauwerk, das in mir ein Wow-Gefühl auslöste auch wenn ich es in Natura bisher nie gesehen habe: Das Castel del Monte in Italien. Und was ich noch ganz passend finde: Es ist keine Kirche, sondern ein Profanbau. (Profan = weltlich, unkirchlich, unheilig) Gebaut vom Stauferkaiser Friedrich II um 1240 bis 1250. Speziell ist der achteckige Grundriss der Burg. Über die genaue Funktion des Bauwerks rätselt man bis heute.
Quellen:
- wikipedia.org
- Romanik, Tandem Verlag 2009, ISBN 978-3-8331-5582-6
- Interior Design Designgeschichte, Ursina Ganzoni, Höhere Fachschule Südostschweiz











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