zuletzt aktualisiert: 7. September 2025
Ich war noch nie in Ägypten. Das Land gehört nicht zum europäischen Kontinent und über diesen hinaus habe ich mich bisher nicht gewagt. Ich bin eine Appenzellerin, und die bleiben gerne zu Hause. Das Glück liegt nicht in der Ferne, sondern vor der Haustür. Für mich jedenfalls. Ich kann aber in Filmen versinken, die von der Ferne und dieser antiken Kultur erzählen.
Das kannst du hier lesen:
- Kunst und Politik des antiken Ägyptens
- Die Pyramiden, die Geometrie und Astronomie
- Der Kalender mit 365 Tagen – Erfindung des antiken Ägyptens
- Die Häuser der Einfachen im alten Ägypten
- Die prächtigen und goldgeschmückten Möbel für eine kleine Elite
- Fazit zum antiken Ägypten
Agatha Christies «Tod auf dem Nil» habe ich gefühlt hundert Mal gesehen. Die Fassung von 1978 mit der Starbesetzung Sir Peter Ustinov, Jane Birkin, Bette Davis, Mia Farrow, Angela Lansbury und als besonderes Highlight Maggie Smith ist für mich bis jetzt unübertroffen.

Da ist eine der Szenen, ziemlich zu Beginn des Films, in der Hercule Poirot (Sir Peter Ustinov) im Schatten der Pyramiden sitzt und die Gespräche zweier Liebenden belauscht.
Im Hintergrund sieht man weitere Pyramiden und die Sphinx. Deren Nase fehlt, weil Obelix in «Asterix und Obelix bei den Ägyptern» beim Klettern auf der Sphinx der Absturz der Nase verursachte. Kindheitserinnerungen und natürlich nicht die reale Geschichte.
Aber Ägypten liegt eine Faszination zu Grunde, die schon Jahre anhält. 2008 und erst kürzlich zu Corona-Zeiten, war die Wanderausstellung «Tutanchamun» in Winterthur zu Gast, Howard Carters im Jahre 1922 gemachte sensationelle Entdeckung des Pharaonen-Grabes. Repliken zeigten alles, was in der Grabkammer gefunden worden war. Die Sensation hat 100 Jahre angedauert.
Aber hat diese Faszination auch noch Bestand, wenn man etwas genauer und tiefer hineinschaut?
Kunst und Politik des antiken Ägyptens
Selbst wenn du grösster Geschichtsbanause bist, hast du von Kleopatra gehört. Vielleicht schon deshalb, weil du als Kind die bereits erwähnten Asterix und Obelix-Comics gelesen oder geschaut hast. Die berühmte ägyptische Königin lebte in den ersten Jahrhunderten nach Christus. Zu dieser Zeit war die Hochphase das alten Ägyptens vorbei. Aber diese hatte immerhin 2500 Jahre bestand, von etwa 3000 vor Christus, bis etwa 500 Jahre vor Christus.
In dieser Hochblüte lebte eine andere «Berufskollegin» von Kleopatra, fast ebenso bekannt und es heisst, dass sie als eine der schönsten Frauen gilt: Nofretete.
Das alte Ägypten war ein hoch entwickelter Beamtenstaat. Es gab die Oberklasse aus Beamten und Priestern mit gehobenen Lebensformen. Ein kleiner Teil davon konnte sich mittels Hieroglyphen schriftlich ausdrücken. Und da war die grosse Masse der Landbevölkerung, viele davon waren Sklaven. Sie wurden gezwungen zum Pyramidenbau, heute nimmt man jedoch an, dass sich auch die einfache Bevölkerung ausserhalb der Erntezeit an dem Bau beteiligte.
Künstlerisch wurde uns mit den Wandmalereien in den Pyramiden und anderen Gebäuden ein grosses Erbe hinterlassen. Dabei ist die Motivwahl der Malerei eng mit dem Totenkult verbunden, denn die Ägypter waren sicher, nach dem Tode weiterzuleben.
So findet man auf den Darstellungen meist nur junge Menschen. Typisch für den Malstil ist, dass die einzelnen Figuren von mehreren Seiten gleichzeitig zu sehen sind: Gesicht im Profil, Oberkörper von vorne, Hüften in einem Mittelding und die Beine und Füsse wieder im Profil. Es wurden intensive Farben verwendet, besonders oft Rot und Blau
Die Pyramiden, die Geometrie und Astronomie
Die Pyramiden beweisen, welch hervorragende Kenntnisse der Geometrie die Ägypter gehabt haben müssen. Ein starker Glauben an das Weiterleben nach dem Tod bewirkte, dass ein Pharao zu seinen Lebzeiten seine «Behausung» für den Übergang in das ewige Leben bauen liess. Dafür wurden astronomische Konstellationen berücksichtigt und der quadratische Pyramiden-Grundriss nach ihnen platziert. Denn der königliche Leichnam hatte auf den Himmel ausgerichtet auf der Nord-Süd-Achse zu liegen.
Der Kalender mit 365 Tagen – Erfindung des antiken Ägyptens
Weiter verdanken wir den Ägyptern der Kalender auf der Basis von 365 Tagen. Um richtige und lebenswichtige Vorhersagen machen zu können, wann gesät und wann die Überschwemmungszeit sein wird, beobachteten die Astronomen genau die Himmelskonstellationen. So entdeckten sie die 5er-Gruppe Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Sie nannten sie nicht bei diesen Namen, sondern «die Sterne die keine Ermüdung kennen». Weitere Fixsterne liessen sie einen 10-Tages-Rhythmus erkennen.
Die drei von ihnen festgelegten Jahreszeiten Überschwemmung, Wachstum und Erntezeit teilten sie in jeweils vier Monate ein. Die zwölf Monate und deren Länge von 30 Tagen hatten sie aus dem Lauf des Mondes errechnet. Da sich die Ägypter bewusst waren, dass ihre Rechnung um etwas mehr als 5 Tage nicht korrekt war, fügten sie dem Ende des Jahres fünf Feiertage hinzu, um die Gottheiten zu ehren. Und voilà, das 365-Tage währende Kalenderjahr war geboren.
Mit der Geburt des Kalenderjahres kam auch der 24-Stundentag. Anhand der unterschiedlich langen Tages- und Nachtzeiten der verschiedenen Jahreszeiten liess sich ein Durchschnitt errechnen und der Tag somit in 24 gleich lange Stunden teilen. Eine bahnbrechende Erfindung neben dem Bau der Pyramiden.
Nebenbei erinnere ich noch an gute medizinische Kenntnisse, wenn wir an die Mumifizierung ihrer Toten denken. Noch ist die Faszination da. Bleibt sie es weiterhin?
Die Häuser der Einfachen im alten Ägypten
Die Bauten und Wohnmöbel, die uns dieses Volk hinterlassen hat, waren ohne Ausnahme religiöser Natur. Einem starken Glauben an die Götterwelt und wie oben genannt dem Leben nach dem Tod verdanken wir die reiche Hinterlassenschaft, die in den Gräbern von Pharaonen gefunden wurden. Eigene Säulenformen und Kapitelle in Form von Papyrusblüten, Palmblättern, Lotusknospen und Lotusblüten sind noch heute erhalten.

Karl Richard Lepsius (1810–1884) – Lepsius-Projekt Sachsen-Anhalt. Papyrussäulen, in Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien (1849–1859)«Denkmaeler aus Aegypten und Aethiopien nach den Zeichnungen der von Seiner Majestät dem Koenige von Preussen, Friedrich Wilhelm IV., nach diesen Ländern gesendeten, und in den Jahren 1842–1845 ausgeführten wissenschaftlichen Expedition auf Befehl Seiner Majestät»
Heute weiss man jedoch auch, wie die einfache und ärmere Bevölkerung gelebt hat. Die Wohnhäuser waren immer nach dem gleichen Grundprinzip gebaut: Ein Eingangsbereich, den Wohnbereich und der Bereich mit der Feuerstelle und den Vorräten.
Für die Mauern verwendet wurden sonnengetrocknete Schlammziegel. Natürlich war das nicht das beste Baumaterial zu den Zeiten der Überschwemmung. Nicht selten verschwanden die Häuser im Wasser. Dann wurde einfach das nächste Haus auf den Trümmern des Alten aufgebaut, um der Flut zu entkommen. So konnten selbst die Armen immer höher aufsteigen. Selbstverständlich meine ich das sarkastisch, denn lustig ist das nicht.
Im inneren dieser Häuser war es sehr dunkel. Das Fensterglas kannte man nicht und um vor der Sonne zu schützen lagen die Fensteröffnungen sehr hoch. Rauch breitete sich im ganzen Haus aus, schwärzte die Wände und Decken. Darum war das Flachdach, das durch eine Aussentreppe zu erreichen war, für viele Familien der Hauptort ihres Heims.
In ganz armen Haushalten wohnten die Menschen, manchmal über zwanzig Personen, zusammen mit Esel und Ziege in einem solchen Haus, das wir uns wohl nicht allzu geräumig vorstellen dürfen. Zur Überschwemmungszeit waren die Stechmücken eine ständige Plage, denen man erfolglos mit in die Fensteröffnungen gehängte Leinenstreifen Herr zu werden versuchte.
Wie sich die Ägypter ernährten, kannst du hier nachlesen: Esskultur im antiken Ägypten
Die prächtigen und goldgeschmückten Möbel für eine kleine Elite

Aus den vielen Grabfunden wissen wir, dass die Ägypter bereits eine Auswahl an Möbeln kannten. Bettgestelle, Tische und vor allem Sitzmöbel waren gebräuchlich.
Zur Aufbewahrung diente die Truhe, ein Möbel das über Jahrtausende zum wichtigsten Gebrauchsmöbel gezählt wurde.
Füsse von Tischen und Stühlen wurden bei hochwertigeren Möbeln in Formen der Tierfüsse gefertigt. Die Möbel der Pharaonen waren reich bemalt und verziert. Aber dies alles besass nur eine kleine Elite der antiken Ägypter. Der grösste Teil der Menschen schlief auf Binsenmatten auf dem Boden, der meist aus gestampfter Erde bestand.
Einfache Hocker fand man auch in der ärmeren Bevölkerungsschicht. Tische waren unerschwinglich, eine Truhe sowieso.

Ein Hocker aus dem alten Ägypten, wie sie zum Teil bis heute erhalten geblieben sind. Die Hockerbeine deuten die Form von Tierfüssen an. Zusammengebaut wurden die Hocker in Zapfenverbindung, siehe einzelnes Bein rechts. Leim war noch gänzlich unbekannt
Fazit zum antiken Ägypten
Also nein, von «My Home is my Castle» kann ganz sicher nicht gesprochen werden. Zu wissen, dass einmal im Jahr das Haus in sich zusammensinken könnte, wenn denn die sonnengetrockneten Schlammziegel aufweichen, stelle ich mir alles andere als anheimelnd vor.
Kaum verlassen wir die obersten Sphären, wird es ungemütlich, und zwar wacker. Niemals werde ich mich in diese Zeit beamen, sollte das irgendwann mal möglich werden.
Obwohl es sehr beeindruckend ist was diese Menschen schufen und auf welcher von ihnen gegebener Grundlage wir heute noch leben, auf mich wirkt alles sehr primitiv und wenig faszinierend. 3000 Jahre und eine gewaltige Entwicklung später tue ich diesem Volk mit dieser Aussage unrecht. Ich weiss. Trotzdem schaue ich mir lieber noch einige Male Agatha Christies «Tod auf dem Nil» an und schwelge in Träumen, die nicht der Realität entsprechen. Damit tue ich niemandem weh.
Quellen:
- Kunst – Kostümgeschichte, Wiebke Koche-Mertens, Schweizerische Textil- Bekleidungs-und Modefachschule
- Designgeschichte, Ursina Ganzoni, Höhere Fachschule Südostschweiz
- Was ist Kunst, Kaiser-Verlag, ISBN 978-3-7043-9011-9
- Lebensalltag zur Zeit der Pharaonen, Reader’s Digest, ISBN 3 97070 525 6
- wikipedia.org











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