Mein «Problem» ist ja, dass mich so ziemlich alles, was mit Handwerk zu tun hat, interessiert. Ich stosse irgendwo auf eine Technik, die ich noch nicht kenne. Die mich aber mächtig anspricht…und schon würde ich mir das gerne selber beibringen. Wie ich bin, Tausendsassa und Autodidaktin.
Oder ich lerne durch eine Dokumentation oder einen Artikel ein Handwerk mit uraltem Wissen kennen; dann drängt es mich bereits, dieses Wissen kennenzulernen, zu sammeln und zu notieren. Etwa gleich ergeht es mir auch mit dem Thema Wohngeschichte. Denn das eine (die Wohngeschichte) ist ja aus dem anderen (dem Handwerk) entstanden…und umgekehrt.
Zugleich schreibe ich an weiteren zwei Manuskripten, und dann ist da die Anleitung für das DIY-Projekt, die als nächstes hier erscheinen wird und…und…und
Tja, im Moment häufen sich grad wieder solche «Freiwillig-To-Do’s», oder nennen wir es To-Want. Noch besser: Was ich mir selber beibringen, was ich umsetzen und was ich erleben möchte.
Ich könnte für die folgende Liste auch einen Zeitrahmen festlegen, zum Beispiel bis Ende des Jahres. Knapp drei Monate sind’s ja immerhin noch. Aber nein, das mache ich nicht. Es geht auch um Kreativität, und wenn sie nicht auftragsmässig an ein Zeitlimit gebunden ist, lasse ich sie kommen. Deswegen geht das eine dann vorwärts, das andere eben nicht. Oder nicht so schnell. Denn wie heisst es?
«Gut Ding will Weile haben.»
Ja, ich finde dieses Sprichwort trifft immer noch zu. Auf mich jedenfalls.
Doch hier jetzt meine 10 Punkte auf der freiwilligen To-Do-Liste:
Meine Dekupiersäge kennenlernen (nr. 1)
Mein neuster Schatz in der übergossen Werkzeugkiste.
Verschupft stand sie da, in einer hinteren Ecke auf einem Flohmarkt. Ein neues Modell, eines derjenigen, über das ich mich für einen eventuellen Kauf informiert hatte. Für den Bruchteil des Neupreises gekauft, ist sie fast neu und völlig intakt. Mir schwirren die Möglichkeiten im Kopf, die sich mir damit auftun.
Viele tun das Maschinchen als elektrische Laubsäge ab, da sie in Schulen für den Werkunterricht beliebt ist. Aber für mich ist sie mehr. Mit ihr zusammen kann ich mich ausleben. Natürlich muss ich mich mit ihr vertraut machen, ihre Grenzen ausloten. Aber dann kann hoffentlich etwas Schönes entstehen, das auch viele andere erfreuen wird.
Hadernpapier herstellen (nr. 2)
Aus alt wird neu, und das ist immer spannend. Ressourcenschonend, weil es eine Art Kreislaufwirtschaft ist. Und wir wissen, das ist viel intelligenter als die leider noch immer gelebte Linearwirtschaft.
Und für das Hadernpapier kann ich sämtliche Altkleider, die aus reinen Naturfasern bestehen, in Papier verwandeln. Ich muss die Textilien dafür zerkleinern, mit Wasser und natürlichen Zusätzen (welche diese wären, das müsste ich dann noch herausfinden) zu einem Brei rühren und fertig ist das Material für das neue Papier.
Nach diesem ganzen Tüfteln kann ich mein neues Wissen hier teilen und hoffentlich viele motivieren, es ebenfalls auszuprobieren.
Update vom 28. Oktober 2025: Ich habe drei Versuche, Hadernpapier herzustellen, gemacht. Keiner hat zufriedenstellend funktioniert. Woran es scheitert: In meinem Haushalt findet sich nichts, womit ich die klein geschnittenen Kleiderstücke ganz „pürieren“ kann, damit die sogenannte Pulpe entsteht. Mein Mixer und auch mein Pürierstab treten hier in den Streik.

Hier mein erster Versuch…
In den Papierfabriken früherer Zeit war für die Herstellung der Pulpe der Papierholländer verantwortlich. Eine mit vielen Schneidmessern bestückte Walze wälzte das Faser-Wassergemisch in einem Bottich ständig um. So wurden die Stoffstücke vollständig zerfasert.
Beim späteren Schöpfen in das Sieb konnte die Pulpe aufgefangen und durch das Rütteln des Siebes verfilzt werden. Der Wasseranteil in der Bütte betrug dabei im Verhältnis zur Pulpe 95%. Mit dem Pressen in der Presse erreichte man, das die frischen Papierbögen noch besser zusammenhielten und eine schnellere Trocknungszeit erreicht werden konnte.
Hier findest du einen interessanten Film zur Herstellung von Hadernpapier: Papier. Herstellung mit dem Schöpfsieb und auf der Papiermaschine
Ich selber mache jetzt mal Pause mit meinen Versuchen, werde sie aber später bestimmt wieder aufnehmen. Da ist nämlich eine Idee, die ich noch nicht ausprobiert habe….
«Lizzy», mein Textilkunst-Projekt fertigstellen (nr. 3)
Die Entstehung des Namens Lizzy werden alle verstehen, wenn sie das fertige Projekt zum ersten Mal sehen. Allerdings…bis dahin dauerts noch. Viel Arbeit wartet noch auf mich. Auch hier, alles was die Restkiste hergibt wird verwertet. Wenn es denn farblich passt.


Lizzy nenne ich das, was irgendwann ein Bild ergeben soll und aus lauter kleinen Stoffteilchen, oder kleinen gehäkelten Teilchen zusammengesetzt wird. Eine Art textiles Mosaik. Meister Sisyphus lässt grüssen, denn es ist eine Geduldssache, bei der ich jedoch meinen Gedanken freien Lauf lassen kann. Natürlich hoffe ich, dass das Ergebnis toll wird und sich sofort jemand in dieses Werk verlieben wird.
Meine begonnenen Manuskripte erfolgreich beenden (nr. 4)
Ja, Gedankenfluss brauche ich für meine weiteren Bücher. Ist das Wetter ordentlich, geht das bei einem Spaziergang oder einem Marsch auf den Hausberg. Wenn es aber Bindfäden regnet, ziehe ich die Arbeit an Lizzy vor. Zwei Manuskripte sind am Entstehen, eines davon der Nachfolger von «Selbständigkeit für Kreative – Der etwas andere Leitfaden». Das andere mit einem etwas anderen Thema, aber natürlich mit Bezug zum Handwerk und zur Kreativität.
Anstrengend ist es, weil die Gedanken ständig purzeln, und diese Purzelbäume müssen natürlich sofort irgendwo festgehalten werden. Denn sonst verschwinden sie aus dem Gedächtnis, bevor ich sie mir gesichert habe. Und das muss um jeden Preis vermieden werden! Denn das Ziel ist, einen Mehrwert zu bieten für alle Handwerk- und Kreativschaffenden!
Update vom 26. November 2025: Hurra! Gestern ist mein Buch „Vom Entwurf zur Realität – Projekte im kreativen Handwerk erfolgreich umsetzen“ erschienen. Neugierig?

Kamera obscura testen (nr. 5)
Vorgänger der Fotografie und eine Hilfe für das Zeichnen in korrekten Perspektiven. Dabei ist es nur eine Kiste mit einem Loch.
Wie bitte, das soll funktionieren? Das muss ich ausprobieren. Wer weiss was das bedeuten könnte, wenn ich das für dort benutzen könnte. Daraus würde sich diese Idee entwickeln und dann wiederum das ergeben…
Mosaikarbeit herstellen (nr. 6)
Das Klassische. Mit Keramik-Steinchen und so. In meinem Schlafzimmer steht ein rundes Tischchen, dass ich mir vor vielen Jahren in Mosaiktechnik gebastelt habe. Dazu habe ich nur Muscheln verwendet, die ich damals in einem Urlaub in Marbella gesammelt hatte. Es ist mir noch heute ein lieber Schatz. Und ich erinnere mich, dass mir die Arbeit daran sehr viel Freude gemacht hat. Die Technik des Mosaiks übt irgendwie eine Faszination auf mich aus.
Amalfi Küste und Pompeji sehen (nr. 7)
Und diese Faszination für Mosaik hat vielleicht auch damit zu tun, das mich das antike Rom sehr interessiert. Die Villen der Reichen Römer, aber auch die Lebensgewohnheiten der einfachen Bevölkerung. Da wären wir bei meinem Favoriten-Urlaubsziel angekommen, der Amalfi Küste. Von dort aus wäre ein Ausflug nach Pompeji ein Pipifax. Aber ein Goliath für mich und meine Interessen.
Bestimmt gäbe es viel zu sehen, dort in der durch den Vulkan verschütteten Stadt. Und die Amalfi Küste ist in meiner Vorstellung der ideale Ort, um neues aufzusaugen und Ideenfindung zu betreiben.
Alte Materialien und Verarbeitungsweisen sammeln (nr. 8)
Nein, ich will keine Lagerhalle mit altem Zeugs anfüllen. Ich will das Wissen dazu sammeln. Dazu die Verarbeitung kennen. Da sind zum Beispiel die Römer, sie gelten als die Erfinder einer Art Betons. Sie waren ein gescheites Volk. Aber das waren viele andere auch. Wir sind heute kein bisschen besser. Denn das, was die damals herausgefunden haben, das müsste man denen erst mal nachmachen.
Das Wissen, wie sich welche Natur-Materialen in Kombination verhalten, welche Reaktionen erzielt werden können und vor allem, wie es langlebig ist. Das ist spannend. Und lässt mich innerlich in Stress geraten, weil ich denke, dass dieses alte Wissen verloren geht und es doch vorher genauestens dokumentiert werden muss. Um es zu erhalten, für uns alle.
Analog und oldschool arbeiten (nr. 9)
Und dieses Wissen über alte Materialien und ihre Verarbeitung lässt mich daran denken, zurück in die analoge Welt zu gehen, ohne High-Tech. Nach alter Manier zu arbeiten und völlig «oldschool». Bis zu gewissen Grenzen versteht sich. Das Neue hat ja seine guten Seiten, die will ich nicht aussen vorlassen. Also eine gesunde Mischung zwischen altem Wissen und Verarbeitung, zu den heutigen Möglichkeiten finden.
Alles miteinander verbinden (nr. 9.5)
Wie die Kreislaufwirtschaft wird jetzt auch meine To Want-Liste zum Kreis geschlossen. Die Dekupiersäge lässt mich ein Holz-Mosaik erarbeiten, das mit Hadernpapier kombiniert wird. Das passt dann zu Lizzy, die mir hilft meine Manuskripte entstehen zu lassen. Dafür kann ich auch mit der Kamera obscura meine Perspektive verändern und neue Ansätze finden. Und weil da jetzt schon Mosaike in Holz und Textilien sind, warum nicht noch eines aus zerbrochenem Geschirr? Die Römer stampften ja auch ihre Essensreste und Scherben der Tonkrüge einfach in den Lehm-Boden…
Ich bin mir bewusst, dies ist kein Punkt, der sich so einfach abhaken lässt. Deshalb gilt er auch nur als halber Punkt. ;-)
Hast du altes Wissen rund um ein Handwerk und die dazugehörenden Materialien?
Du bist aber schreibfaul und hättest darum gerne eine Person, die das Dokumentieren für dich übernimmt? Gerne nehme ich deine Anfrage entgegen.










