Unsere Erde, die Kreislaufwirtschaft, Ressourcen und Gaia, die mythische weibliche Figur die die Erde repräsentiert.

aktualisiert am 17. Juni 2026

Kaufst du Dinge und Gegenstände, weil du immer wieder gerne etwas neues hast oder kaufst du, weil du etwas wirklich benötigst? Kaufst du bewusst unter Berücksichtigung von grauer Energie oder kaufst du einfach nach deinem persönlichen Geschmack? Eiferst du Trends nach oder folgst du deinem eigenen Stil?

Jede und jeder von uns ist anders und wir alle gehen individuell mit dem Thema Konsum um. Die einen verantwortungsbewusst, die anderen…….nicht.

Das kannst du hier lesen:

Die Kreislaufwirtschaft

Als James Lovelock 1979 sein Buch «Unsere Erde wird überleben: GAIA, eine optimistische Ökologie» veröffentlichte, wurde er von einigen bewundert, aber von vielen angefeindet.  Darin beschrieb er seine Entdeckung, das alles in der Natur ein Kreislauf darstellt.

Für die Industrie war dieses Buch der erste auferlegte Druck, die Denkweise zu ändern. Was ignoriert wurde indem Lovelock als esoterischer Spinner abgetan wurde.

Gaia ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Erde, Mutter von Meeren, Flüssen und Bergen, gezeugt mit Uranos.

Lovelock erklärt, dass die Natur ein in sich geschlossenes Lebewesen ist, das nichts Überflüssiges produziert. Sämtlich entstandenes Material vom Organismus wird in irgendeiner Form wieder verwendet. Die Natur kennt keinen Abfall.

In Anbetracht der Ressourcenverschwendung der Industrien war da plötzlich das Wort «Kreislaufwirtschaft». Es beschreibt ein System, in dem der Abfall des einen produzierenden Betriebes der Rohstoff für den anderen produzierenden Betrieb darstellt. Der Konsument wirft seine Dinge nach deren Gebrauch nicht weg, sondern führt sie je nach Art dem produzierenden Betrieb zu, für den das Weggeworfene wiederum der Rohstoff für neues ist. Es ist ein System, das wie die Natur keinen Abfall kennt.

Intensive Forschungen vieler engagierter Vorreiter und Tüftler kommen zum Schluss, dass dies tatsächlich möglich wäre. Wir alle wissen, mit der jetzigen «Linearwirtschaft» werden wir früher oder später im eigenen Müll ersticken. Doch noch ist für die Unternehmen ein jährliches grosses Umsatzwachstum wichtiger als die Schonung von Mutter Gaia und die meisten Konsumenten machen folgsam mit.

Die Kreislaufwirtschaft in übersichtlichen Punkten erklärt:

  • Was für den einen Abfall ist, ist für den anderen der Rohstoff. Materialien und Produkte bleiben so lange wie möglich im Umlauf und somit auch im Wirtschaftssystem.
  • Der Rohstoffverbrauch wird deutlich reduziert. Dies ist nicht nur für die Ressourcen aus natürlichen Materialien der Natur schonender, sondern vor allem auch, weil künstlich hergestellte Rohstoffe länger und wieder verwendet werden.
  • Vermeidung statt Recycling: Ein Produkt zu recyclen und daraus wieder ein neuer Rohstoff herzustellen, bedeutet Energieverbrauch. Daher ist ein wichtiger Grundpfeiler der Kreislaufwirtschaft auch, Produkte gar nicht erst herzustellen. Wir kaufen zu vieles, was nicht notwendig ist und schon gar keinen Nutzen und somit Existenzberechtigung hat.
  • Vorteile für die Wirtschaft: Die Kosten für Rohstoffe verringern sich und sie können regionaler beschafft werden. Die Abhängigkeit an ungünstige Lieferanten wird kleiner.
  • Neue Produkte werden auf Langlebigkeit entworfen und in deren Herstellung wird von vornherein darauf geachtet, dass sie später entweder sehr gut recycelt oder in den Naturkreislauf zurückgeführt werden können. Dies setzt die Nutzung verantwortungsvoller Materialien voraus.
  • Trends sind für Langlebigkeit unwichtig. Nach eigenem Stil zu konsumieren ist wichtiger, da er länger gefällig ist und somit länger die Freude an einem Produkt währt.

Shoppingverhalten im Mittelalter

Wenn wir tausend Jahre zurückgehen sehen wir, dass die Gegenstände, die zum täglichen Leben gehörten, selber angefertigt, oder innerhalb eines Dorfes für andere hergestellt wurden.

Als Materialien dienten die Rohstoffe, die die Natur hergab. Das Wissen der Menschen, wie mit diesen Rohstoffen umzugehen war, hatte sich im Laufe der Zeit vergrössert. Es wurde von Generation zu Generation weitergegeben und weiterentwickelt.

Die Welt der Menschen beschränkte sich auf die Siedlungen und Städte. Reisen war etwas, das man nicht kannte. Es war zu beschwerlich und zu gefährlich. Und so war es auch mit den Gütern. Archäologische Funde lassen je nach Region einen Radius eingrenzen, innerhalb dem Handel betrieben wurde.  Dort wo sie hergestellt wurden, wurden sie auch verwendet. Es galt für die Sicherung der Grundbedürfnisse zu sorgen, darüber hinaus kam nichts.

Shoppingverhalten in und nach der Renaissance

Aber dann, im Jahre 1096 mit dem päpstlichen Aufruf zu den Kreuzzügen, kam eine andere Bewegung in die Sache. Denn aus dem Orient wurden neue Rohstoffe und neue Wissenschaften mitgebracht.

Arbeitsmethoden die bis dahin in Europa noch unbekannt waren, wurden eingeführt. Und als im Jahre 1492 Christoph Kolumbus glaubte, Indien entdeckt zu haben, begann der Handel mit Konsumgütern zu blühen. Gewürze, Seide, Zucker, Datteln und Tabak waren in Europa heissbegehrt. Hohe Preise ermöglichten den Kauf dieser Dinge jedoch nur den Reichen. Handels- und Seemächte wie Venedig kamen zu grosser Macht.

Im Jahre 1800 wurden bereits 23mal mehr Güter über die Weltmeere geschippert als noch im Jahre 1500. Der globale Handel war geboren, obwohl die industrielle Revolution zuerst noch in weiter Ferne lag.

Mit der industriellen Revolution nahm die Menge der Transportgüter nochmals zu und auch deren Transportwege wurden länger. Hatte Weizen um 1830 durchschnittlich 4000 Kilometer zurückgelegt, so war die Strecke um 1870 auf 8000 Kilometer angestiegen.

Trotz ausbeuterischer Verhältnisse in den Fabriken war die Kaufkraft eines britischen Arbeiters 1899 doppelt so hoch wie 1849.

Selbst schlechten Bedingungen ausgesetzt, konnte er nun Güter erwerben, die durch die gesteigerte Produktivität günstig waren. Die unter zum Teil ebenso ausbeuterischen Situationen entstanden waren, wie er selber sie ertragen musste. 

Schuld des Shoppings: Überflussgesellschaft und Boykotte

1889 waren die Vereinigten Staaten das Land mit dem höchsten Lebensstandard. Der Wirtschaftswissenschaftler Simon Nelson Patten war der erste, der in einem von ihm veröffentlichten Artikel von der «Ökonomie der Knappheit» zur «Ökonomie des Überflusses» schrieb. Denn die damalige Gesellschaft produzierte mehr Waren und Güter, als zur Sicherung der Grundbedürfnisse benötigt wurde.

Fabrikanten und Kaufhäuser wurden beschuldigt, in den Menschen falsche Bedürfnisse zu wecken.

Charles Gide, ein französischer Ökonom, war fasziniert von der Idee der Genossenschaften. In seiner Traumwelt war jeder Mensch ein Mitglied einer Genossenschaft, in der verantwortungsbewusst eingekauft wird und der Konsument somit die Macht besitzt, die sozialen Zustände zu verbessern und die Lage der Arbeiter anzuheben. Ein wie ich finde wirklich toller Gedanke, der sich leider bis jetzt, 140 Jahre später, immer noch nicht umsetzen liess.

Immerhin, 1891 entstand in New York die «Consumers League», die den Kampf gegen ausbeuterisch hergestellte Waren in Angriff nahm. Es entstand das «White Label». Als erstes prangte es in Unterwäsche von zertifizierten Herstellern. Eine Garantie, dass das Stück unter guten Bedingungen genäht worden war.

Weitere Boykotte gegen ausbeuterische Arbeitssysteme waren die Folge. Schändlich zu wissen, dass die Ausbeutung immer noch genauso blüht wie schon damals.

Gute Folgen des Shoppings: Neue Berufe entstehen

Mit der Zunahme der Menge an Konsumwaren und vor allem deren Vielfältigkeit entstanden neue Berufe.

Vorläufer des Innenarchitekten waren Schreiner, Polsterer oder Porzellanhändler, die neben dem eigentlichen Kerngeschäft zudem auch als Stilberater tätig waren. Es gab Register des Geschmacks je nach Rang, Vermögen und Stand.

Abner Scholes war Polsterer und gestaltete um 1730 zwei Ausstellungsräume in der er seine Vorstellung einer Idealwohnung zur damaligen Zeit umsetzte. Es war sozusagen ein Vorläufer dessen, was wir heute Showroom nennen.

Das neue Kaufhaus erkannte die Macht des Schaufensters, um Kunden anzulocken. In den 1890er Jahren entstand dadurch der Beruf des Schaufensterdekorateurs, der in der Lage war, dem vorbeigehenden Fussgänger Traumwelten mit seinen Inszenierungen zu präsentieren. Einkaufen oder Schaufensterbummel war zur Freizeitbeschäftigung avanciert.

Unsere Erde, die Kreislaufwirtschaft, Ressourcen und Gaia, die mythische weibliche Figur die die Erde repräsentiert.

Zurück zu Mutter Gaia und die Auswirkungen des Shoppings

Die Geschichte des Shoppings hat einen direkten Bezug zur Wohngeschichte. Denn die Anzahl der Güter innerhalb einer Wohnpartei nahm mit der Anzahl der produzierten Waren zu.

Über die Zeit konnten die Dinge durch veränderte Arbeitsmethoden und neue Maschinen immer schneller hergestellt werden. Als das Limit an senkbaren Kosten erreicht wurde, hatte man die Produktion in andere Länder verlegt um Lohnkosten zu sparen. Die Gewinne konnten trotz weiterer Preissenkungen erhöht werden. Unsere Sachen, die wir kaufen werden immer billiger…und immer schneller weggeworfen.

Die Müllberge werden immer grösser, allen voran in der Modeindustrie. Das ach so hoch gehaltene Elektroauto kann noch nicht mal entsorgt werden, weil zu viele Materialien darin verbaut sind, die problematisch sind und dessen Recycling bis jetzt nicht gelöst ist. Und natürlich verschweigt das die Politik. Es geht viel zu viel einfach nur ums Geld. Um den eigenen Egoismus. Denken nur bis zur eigenen Nasenspitze.

Dabei würde es uns unser schöner Planet Verzeihen, wenn wir einfach zurückschalten würden:

  • Regionale Produktion
  • keinen Überschuss
  • Recycling und somit Kreislaufwirtschaft.
  • Nutzen der Waren, bis sie am Ende ihrer Lebenszeit angekommen sind und erst dann neu kaufen.

Langfristig gesehen würde dieses Vorgehen unser aller Geldbeutel schonen. Aber eben, dafür muss weitergedacht werden, nur bis zur eigenen Nasenspitze reicht dazu nicht aus.

Das Gefühl, lange auf etwas sparen zu müssen, bis wir es als unser Eigen nennen können, kommt immer seltener vor. Leasing oder Kleinkredite machen alles sofort möglich.

Glücklich ist der, der mit wenig zufrieden ist. Glücklich ist der, der seine Waren bis an ihr jeweiliges Lebensende nutzt.

Frag mich, was Glück ist und ich werde antworten: Eine Art des Minimalismus. Je weniger ich habe, umso besser geht es mir. Je weniger Ballast im Aussen, umso weniger schleppe ich im Innern.

Quellen:

  • wikipedia.org
  • Herrschaft der Dinge, Die Geschichte des Konsums vom 15. JH bis heute, Frank Trentmann, Deutsche Verlags-Anstalt, ISBN 978-3-421-04273-6
  • Warum die Schweiz reich geworden ist, Mythen und Fakten eines Wirtschaftswunders, Markus Somm, Stämpfli Verlag 2022, ISBN 978-3-7272-1288-8
  • Kreislauf des Lebens – Die Gaia-Hypothese, Doku von Nigel Walk (NL/D 2021, 86 Min)
  • Mythen & Sagen aus allen Kulturkreisen, Philip Wilkinson, Dorling Kindersley Verlag, ISBN 978-3-8310-4021-6


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Ich bin Sandra

Tausendsassa, Vielinteressierte und Autodidaktin.

Als Selbständige biete ich meine Arbeitsleistung im kreativen Handwerk. Sei es in praktischer Arbeit, oder Bereich Bildung/Ausbildung. Meine genauen Dienstleistungen findest du hier.

Meine Bücher sind im Handel erhältlich:

Cover des Buches "Dein Stil" von Sandra Möslí, mit dem Untertitel "Handwerk und die Suche nach der eigenen Handschrift", umgeben von verschiedenen Werkzeugen.
Cover of the book 'Vom Entwurf zur Realität' by Sandra Mösl, featuring a vibrant green background with various craft-related icons and text about successful projects in creative craftsmanship.

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