Die alten Römer hatten die Angewohnheit, das Klosett in Gemeinschaft zu nutzen. Aufgereiht wie hier sassen sie auf der Toilette und machten während des Geschäfts Geschäfte.

WC-Geschichten

Willst du lachen bis du meinst, das Zwerchfell fällt dir aus dem Körper? Dann empfehle ich dir den Film «Sterben für Anfänger». Eine bitterschwarze, englische Komödie aus dem Jahre 2007.

Da ist Onkel Alfie, der während einer turbulenten Beerdigung dringend zur Toilette muss, für ein grosses Geschäft. Weil er im Rollstuhl sitzt braucht er dafür Hilfe. Dieses Los fällt dem Hypochonder Howard zu, der sich ungeschickt anstellt und so entleert sich Onkel Alfie auf die Hand von Howard. Zugegeben, ein etwas unappetitlicher Einstieg in meinen Beitrag übers WC. Ich mache ein zweiter Versuch, mit etwas ganz anderem:

Onkel Alfie glücklich auf dem Thron, Howard unglücklich mit eingeklemmtem Arm.

Darf man die Nutzung der Toilette verweigern?

Ich hatte einen Termin in der Innerschweiz. Mit dem Auto fuhr ich die knapp dreistündige Fahrt in einem Zuge durch. Ich war widererwarten besser durch die bekannten «Stau-Stellen» gekommen und somit etwas zu früh vor Ort.

Von meinem Geschäftstermin noch keine Spur. So liess ich das Auto stehen und wanderte durch die Gegend. Denn das menschliche Bedürfnis meldete sich, ich benötigte eine Toilette. Mitten in einem Industriegebiet war da kein einziges Café oder Restaurant. Aber eine Bäckerei. Ich zückte mein Geldbeutel, trat in das Geschäft und fragte, ob ich gegen Bezahlung bei ihnen ein WC benutzen dürfe. Meine Frage wurde nicht höflich beantwortet. Nein, man schnauzte mich an, dass das ganz sicher nicht gehe.

Zum Glück meldete sich in diesem Moment über mein Handy mein «Termin-Mann». Er habe das Auto gesehen mit der ausserkantonalen Nummer, das sei wohl ich? Und dass er jetzt vor Ort sei. Überglücklich war ich, denn ich durfte dort natürlich als erstes die Toilette benutzen.

Seither beschäftigt mich ab und zu die Frage: Darf ein menschliches Grundbedürfnis verweigert werden?

Altrömische Toiletten – Das Geschäft beim Geschäft

Im alten Rom war es üblich, mit anderen Menschen während des „Geschäfts“ Geschäfte zu machen. Über einer Abflussrinne war eine Bank mit Löchern nebeneinander. Diese öffentlichen Toiletten wurden oft von Männern genutzt, die untereinander geschäftlich verkehrten.

Um sich nach erledigter Sache zu reinigen, benutzten die Römer einen Stock oder Schwamm, der danach gewaschen und so immer wieder genutzt wurde. Aus heutiger Sicht total nachhaltig. Die Bedeutung der Hygiene war noch unbekannt.

Die alten Römer hatten die Angewohnheit, das Klosett in Gemeinschaft zu nutzen. Aufgereiht wie hier sassen sie auf der Toilette und machten während des Geschäfts Geschäfte.

Toiletten aus dem römischen Reich in Ostia Antica, Ausgrabungsgelände der antiken Stadt Ostia. Ursprünglich Hafenstadt des antiken Rom

Heute erledigen wir unser Geschäft gerne in einem geschlossenen Raum, alleine. Doch bis es die gut funktionierende Klospülung gab, die wir heute als so selbstverständlich erachten, dauerte es Jahrhunderte.

Kanalisation für die Toiletten: Rohre, Holz, Blei und Eisen

In London begann man mit dem Bau der ersten Rohrsysteme im 16. Jahrhundert. Erst wurde Holz genutzt, was jedoch immerzu leckte und allzu rasch morsch wurde. Später ging man zu Bleirohren über. Dies hatte zur Folge, dass die zwar zuverlässigen und haltbaren Rohre giftig waren und somit die Familien an chronischen Bleivergiftungen litten.

Es versteht sich von selbst, dass dies nur reiche und adlige Familien waren, denn ein Rohrsystem aus Blei im eigenen Anwesen war sehr teuer. Da die Technik das Wasserdrucks noch nicht ausgereift war und die noch immer in Gebrauch stehenden Holzrohre zu hohem Druck nicht standhielten, waren in dieser Zeit nur ebenerdige Räume an das System angeschlossen. Verstopfungen waren an der Tagesordnung.

Mit der Einführung von Eisenrohren in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und der verbesserten Technik war es möglich, den Druck in den Rohren zu erhöhen und somit auch Räume in höheren Stockwerken zu erschliessen.

Londons Bevölkerung wuchs zu dieser Zeit so schnell, das die Leitungen permanent überfordert waren. So waren einige Stadtteile in einem hygienisch miserablen Zustand. Mit dem „Public Health Act“ wurden 1884 die Haushalte verpflichtet, für eine Toilette zu sorgen und sei es nur ein Häuschen im Garten.

Das Klosett als schlechter Scherz

Auch wenn ein Haus kein Badezimmer hatte, ein „stilles Örtchen“ konnte schon früh in den Haushalten gefunden werden, wenn auch möglichst weit von den Wohnräumen entfernt. Einfachere Haushalte benutzten den Nachttopf, damit der Gang zum Häuschen im Garten, vor allem im Winter erspart werden konnte.

Reichere Haushalte verfügten über eine Art Truhe, deren Deckel hochgeklappt werden konnte und dann eine Öffnung sichtbar wurde, in die das Geschäft verrichtet werden konnte. Auf dem Truhenboden stand der Nachttopf, der das ganze auffing. Das Dienstmädchen hatte am anderen Morgen die Aufgabe, die Truhe zu entleeren.

«Truhen-WC», Foto entnommen von der Webseite Gemeinde Gmunden, Klo & So

Bereits 1596 erfand der Dichter John Harington (er soll mit Elisabeth I. verwandt gewesen sein) das Wasserklosett. Er besass ein solches in seinem Haus in Somerset. Aber er war seiner Zeit einfach zu weit voraus. Er stiess nämlich auf völliges Unverständnis und die Erfindung hielt man für einen schlechten Scherz.

Das erste Patent fürs Klosett erhielt dann 1775 Alexander Cummings. Er hatte nicht nur den Vorläufer der heutigen Wasserspülung, sondern auch den Siphon erfunden. Der Siphon dient heute in jedem Lavabo und jeder Toilette als Geruchsverschluss. Praktische Inbetriebnahme fand seine Erfindung jedoch erst im Jahre 1810.

Es sollte noch bis in die 1870er Jahre gehen, bis die Leitungssysteme so weit waren, das durch einen Schnurzug die Wasserspülung ausgelöst werden konnte und die Toiletten ihre heutige Form annehmen konnten.

Mit dem Fortschritt des WC verbundener Nachteil

Was als ein Fortschritt der Annehmlichkeiten und der Hygiene betrachtet wird, hat aber auch die andere Seite der Medaille:

Der Wasserverbrauch in den Städten erhöhte sich enorm. Mit jeder Spülung flossen 7 bis 8 Liter Wasser ins Toilettenbecken. 1913 verbrauchten die sieben Millionen Einwohner Londons täglich 760 Millionen Liter Wasser.

Die Ausweitung der Toilette und der damit verbundenen Kanalisation ging geographisch völlig unterschiedlich vor. War in der einen Stadt selbst für den Arbeiter fliessendes Wasser zur Norm geworden, so wurde in einer anderen Stadt das Wasser noch immer dem Fluss entnommen.

Im Jahre 1904 hatte in Süden von Paris nur jede fünfte Wohnung ein eigenes WC. Die anderen mussten sich die WCs teilen. Zur gleichen Zeit teilten sich in Hannover mindestens ein Dutzend Personen die Toilette im Hof mit anderen.  

Mit der stetigen Verbreiterung dieser so wertvollen Erfindung, sank aber auch der bewusste Umgang mit der kostbaren Ressource Wasser. Wann hast du dich das letzte Mal darauf beobachtet, wieviel Wasser du täglich vergeudest?

Unsittlichkeiten auf der Toilette

Noch eine kleine Anekdote am Rande: Gehen wir noch weiter Richtung heute, treten noch andere «Probleme» zu Tage: Das sündige Treiben der Teenager-Söhne!

Um sie davon abzuhalten, mussten sie in den 1930er Jahren die Türen zum Örtchen geöffnet halten…Ich lasse das unkommentiert.

Einrichtung englischer Toiletten: Blümchen Tapete

Zum Schluss nochmals zum Film Sterben für Anfänger und seinem Wert punkto Innenausstattung. Schon im ersten Foto oben ist es zu sehen und hier nochmals: Blümchentapete, Bücher und Zeitschriften.

Auf einem englischen WC sitzt sich’s wie im Wohnzimmer. Warum nicht?

Ausschnitt aus dem Film Sterben für Anfänger. Man beachte die Blümchen Tapete im Hintergrund.

Quellen:

  • British Style, Wohnen, Kultur, Lebensart, Claudia Piras und Bernhard Roetzel, Tandem Verlag 2005
  • wikipedia.org
  • Herrschaft der Dinge, Frank Trentmann, Verlagsgruppe Random House 2016, ISBN 978-3-421-04273-6


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