Nein ich werde keine weitere Hundertwasser-Biographie herunterleiern. Ich werde Hundertwasser auch nicht als einzigartigen Künstler rühmen.
Tatsache ist, ich kann weder seiner Malerei noch seiner Architektur etwas abgewinnen. Seine Bilder wirken auf mich wie die Zeichnungen eines wütenden oder verwirrten Kindes, seine Architektur erinnert mich an das Sandburgenbauen am Strand. Und auch was ich als Mensch über ihn weiss macht ihn mir leider auch nicht sympathischer. Ein verschrobener, einzelgängerischer Kerl, der seine Tochter verleugnete und auch sonst für mich unverständliche Ansichten zum Besten gab:
«Jede moderne Architektur, bei der das Lineal oder der Zirkel auch nur eine Sekunde lang – und wenn auch nur in Gedanken – eine Rolle gespielt hat, ist zu verwerfen.» F.H. Verschimmelungsmanifest, 1958 und Los von Loos, 1968
Ein Kuriosum, das ich hier auf meinem Blog ausgerechnet ihm den ersten Beitrag in der Kategorie Designer und Architekten widme. Das kannst du hier lesen:
- Zweite Begegnung: Hundertwasser-Markthalle ohne Markt
- Dritte Hundertwasser-Begegnung bei Katharina von Arx
- Erste Hundertwasser-Begegnung in Wien
- Was gibt es über Hundertwasser noch zu sagen?

Die Säulen wachsen dem Betrachter entgegen
Es ist ja manchmal so, dass einem im Leben in einer gewissen Zeitspanne Dinge unterkommen, die immer mit demselben zu tun haben. Man hat das erste Mal gehört das es tatsächlich weibliche Wesen gibt, die auf den Namen «Maidönneli» getauft sind. (Das ist kein Witz.) Plötzlich begegnen einem lauter Maidönnelis. Ob die Eltern bei der Wahl des Namens unter dem Einfluss irgendeines Krauts oder sonstigem standen?
Synchronizität oder nicht, aber mit Friedrich Stowasser (so sein bürgerlicher Name) erging es mir plötzlich ebenso. Es begann mit einer alten Hundertwasser-Agenda und ging dann weiter:
Zweite Begegnung: Hundertwasser-Markthalle ohne Markt
In der Nähe des Bodensees, am Altenrhein, steht Hundertwassers Markthalle. Man kann dort nicht nur Bücher über ihn und Sockenwolle in seinen bevorzugten Farbkombinationen kaufen, es hat auch ein Restaurant das wunderbare Pinsa’s serviert. Und schon mal dort in der Nähe zu tun, so muss ich mir unbedingt eine solche einverleiben.
Ich weiss nicht wie oft ich hier schon gewesen bin. Versucht habe, wenigstens ein wenig Faszination zu empfinden. Aber da ist…nichts. Ich zücke trotzdem das Handy und beginne zu fotografieren. Zu Hause werden die Bilder angeschaut, und plötzlich wollen mich die Farben anspringen und die Säulen aus den Bildern herauswachsen.

Die in die Aussenmauer integrierten, bunten Flaschen und die runden Fenster ohne jegliche geometrische Anordnung sind typische Merkmale der Architektur Hundertwassers.
Das innere der Markthalle scheint mit der äusseren Erscheinung nicht zu harmonieren. Abgesehen von der typischen Hundertwasser-Architektur mit Rundungen und Schrägen wirkt das Äussere eher fad. Im Gegensatz dazu im Inneren diese Farbexplosion. Eine neue Erkenntnis: Es stimmt also, wenn man etwas durch die Linse betrachtet, wird seine Wirkung verändert. Eine Frage der Perspektive und des Blickwinkels.
Ich stelle mir vor wie ein Dauer-Spezialitätenmarkt in dieser Halle Einzug hält. Bisher habe ich es nie erlebt, das tatsächlich in der Markthalle ein Markt stattgefunden hat. Wobei ich zugeben muss, das ich das auch nicht konsequent verfolgt habe.

Panorama-Aufnahme des Inneren der Hundertwasser-Markthalle im Altenrhein
Dritte Hundertwasser-Begegnung bei Katharina von Arx
Ein paar Tage später schaue ich in meinen Büchern, welches ich wieder einmal lesen möchte. Da ist das Buch über Katharina von Arx. «Die Welt ist verkehrt, nicht wir!» von Wilfried Meichtry, erschienen im Nagel & Kimche Verlag. In der Brockenstube hatte ich es einmal gekauft, weil mir der Name dieser Frau irgendwie geläufig war. Keine Ahnung warum. Eine Frau, die mit Mitte zwanzig in den 1950er Jahren mit praktisch kein Geld in der Tasche auf Reisen geht und meint, unterwegs mit zeichnen ihr Geld für die Reise verdienen zu können. Sie wird zum Star von Radio-Shows in diversen Ländern und findet ihre Berufung, Reiseberichte zu schreiben.
Sie wird Studentin an der Akademie der bildenden Künste in Wien, aber vorher muss sie die Aufnahmeprüfungen bestehen. In der Mittagspause des zweiten Prüfungstages setzt sie sich in der Mittagspause frustriert auf ein Bänkchen auf dem bereits ein junger Mann sitzt. Es ist Friedrich Stowasser, einen Friedensreich Hundertwasser gibt es Anfang der 1950er Jahre noch nicht. Er ist kurz davor, geboren zu werden.
Katharina und er kommen ins Gespräch, bleiben in Kontakt, treffen sich. Als sie einmal bei ihm zu Hause ist fragt sie ihn, was er sich beim Malen vorstelle. Und er antwortet: «Die Träume meiner Kindheit.»

Äussere Erscheinung der Markthalle Altenrhein. Wer möchte kann im Hotelzimmer im mittleren Viereckturm eine Nacht buchen.
Erste Hundertwasser-Begegnung in Wien
Wer aufmerksam war, wird gemerkt haben, dass ich in meiner Aufzählung mit der zweiten Begegnung begonnen habe und keineswegs mit der ersten. Die erste fand nämlich schon in meiner Kindheit statt, mit dem Hundertwasserhaus in Wien. Ganz ehrlich, ich weiss nicht mehr genau was ich damals empfand. Ich war zwölf Jahre alt und hatte noch keine Ahnung. Den Prater fand ich weitaus spannender und auch das Stück Sacher-Torte im Hotel Sacher. Und das Tischtuch von Anna Sacher, auf dem sie Berühmtheiten um ihre Unterschrift bat und diese dann nachstickte. Aber das hat mit meinem textilen Herz zu tun, das machte sich damals schon bemerkbar.
Was gibt es über Hundertwasser noch zu sagen?
Genau diese Frage habe ich in die Suchzeile bei Google eingegeben.
Es kam, wieviel ein Bild von ihm kostet (19’000 Euro).
Es kam, das er ein Umweltaktivist war.
Es kam, das er keine geometrischen Formen mochte. Das seine Liebe den Säulen galt, inspiriert von der abendländischen Architektur.
Mir scheint, dass selbst die weltgrösste Suchmaschine nicht viel für den Künstler übrig hat. Und auch diejenigen, die die Suchmaschine füttern. Aber vielleicht ist das auch einfach eine Projektion meiner Meinung über alles.
Ich habe das Gefühl am Ende angekommen zu sein, aber mir werden erst gute 900 Wörter angezeigt. Zu kurz oder nicht? Es ist egal. Dieser Beitrag lebt eher von den vier Bildern als dem Text. Auch wenn das die SEO nicht mag. So sei es denn. Über andere Architekten und Designer habe ich dann hoffentlich mehr zu sagen.










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