zuletzt aktualisiert: 2. Februar 2026
Reden wir nicht um den heissen Brei herum. Steigen wir in die warme Wanne und lassen uns von den alten Griechen erklären, das wir verweichlicht sind. Jawoll. Denn in grauer Vorzeit badeten die Menschen in den kalten Quellen und Flüssen. Erst die grossen Zivilisationen begannen, Wasser in die Städte zu leiten und Teiche und Kanäle anzulegen. Es sollte aber bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts dauern, bis ein Bad in den eigenen vier Wänden zur Normalität wurde. Es ist der am wenigsten beachtete Raum in unseren vier Wänden.
Inhalt dieses Artikels:
- Kein heisses Bad. Warmes Wasser dient der Verweichlichung
- Wellnessen im öffentlichen Badezimmer: Römische Baderituale – Grundriss einer Therme
- Zurück zum Badezuber im Badehaus
- Baden ist lebensgefährlich
- Baden ist heilend und gesund
- Das heutige, funktionelle Badezimmer entsteht
- Englisches Badezimmer
Kein heisses Bad. Warmes Wasser dient der Verweichlichung
Schon die alten Ägypter führten Baderiten in Bädern aus, die mit Duftölen parfümiert waren. Für dessen Herstellung zeichneten die Priester verantwortlich. Das Baden hielten sie für beruhigend, sinnlich und sogar religiös. Im Anschluss gönnten sich die Badenden Massagen, ebenfalls mit Duftölen, meist Zedernholzöl.
Im alten Griechenland wurde regelmässig vor dem Abendessen der Körper im Fluss getaucht und mindestens zweimal an den Quellen das Gesicht gewaschen. Warmes Wasser war verpönt, da es nach Ansicht der Griechen zu Verweichlichung und Schwäche führe. Nur Soldaten, welche sich beim Kampf hervorgetan hatten, erhielten zur Belohnung ein Schöpfer voll warmes Wasser.
In diesen Genuss kamen auch Rheumakranke, zur Linderung der Schmerzen. Zur Behandlung von Rheuma und Gicht empfahl Hippokrates jedoch nur kaltes Wasser, bei Fieber kalte Wickel. Die Griechen kannten ebenfalls das Schwitzbad, es wurde zur weiteren Reinigung genutzt. Dafür wurden heisse Steine mit Wasser übergossen, der Vorgänger der heutigen Sauna.
Wellnessen im öffentlichen Badezimmer: Römische Baderituale – Grundriss einer Therme
Am berühmtesten für ihre Badekultur sind die antiken Römer, die ihre Kenntnisse von den Griechen übernommen und weiterentwickelt haben. Anfangs meinten auch sie, warmes Wasser diene der Verweichlichung. Mit der Entwicklung der Badekultur waren sie später jedoch immer mehr dem heissen Wasser zugetan.
Die Römer besassen das „Hypokaustum“, ein Heizsystem unter dem Fussboden, mit dem Wasser und Luft erwärmt werden konnte. Die mit diesem Heizsystem ausgestatteten Caracalla-Bäder konnten 2000 Badende aufnehmen, wo jedermann ein Marmorsitz zur Verfügung stand.
Die Badenden folgten einem genau festgelegten Ablauf: Die Kleider wurden abgelegt, danach kam als Erstes der Besuch im Frigidarium, dem Kaltbaderaum, um sich zu reinigen.
Danach folgte das Tepidarium, der Warmbaderaum. Hier herrschte eine Raumtemperatur von 20 bis 25 Grad Celcius. In diesem Raum konnte man sich einölen oder massieren lassen.
Mit der anschliessenden Nutzung des Laconicums mit trockener Wärme und des Sudatorium mit feuchtheisser Luft folgten die letzten Gänge vor dem eigentlichen Bad im 50 Grad heissen Wasser, dem Caldarium.
Da die Römer bereits die Gefahr einer Erkältung kannten, bildete der Abschluss des Bades wieder das Eintauchen im kalten Wasser im Frigidarium.

Zurück zum Badezuber im Badehaus
Mit dem Niedergang des römischen Reiches wurde das öffentliche Baden immer ungebräuchlicher. Erst zur Zeit der Kreuzzüge, als Ritter europäischer Länder den Spaniern halfen, die Mauren zu vertreiben, übernahmen sie die warmen Bäder, die im byzantinischen Reich erhalten geblieben waren. Die 1231 erbauten Badeanlagen der Alhambra im spanischen Granada waren eine Weiterentwicklung der römischen Thermen.
Baden wurde modischer Zeitvertreib unter den Adligen. Es wurden auch wieder öffentliche Badehäuser eingerichtet, die jedoch mit der Badekultur der Römer nicht zu vergleichen waren. Das Wasser wurde lediglich in Kesseln erhitzt, Wasserleitungen gab es keine. Da es noch keine Seifen gab, diente mit Wasser vermischte Asche als Lauge. Auf Wunsch wurden dem Wasser Kräuter zugefügt.
Die Kirche begann sich aber mehr und mehr gegen diese öffentlichen Badehäuser zu wehren, da sie in ihnen Stätten für unzüchtiges und unmoralisches Verhalten sahen, was in Wirklichkeit ja auch so war. Söldnerheere schleppten aus Südamerika die Syphilis ein, damals eine unheilbare Geschlechtskrankheit, was die Forderungen der Kirche unterstützte. Langsam ging die Zahl der Badehäuser zurück. Was lange als Vergnügen und gesellschaftliches Ereignis betrachtet wurde, wurde im 15. und 16. Jahrhundert das sich Waschen ein unnötiges, unhygienisches, ja sogar unmoralisches Unterfangen.
Nur noch der Adel verfügte über eine spartanische Bademöglichkeit, die aus einem grossen Holzzuber bestand. Zum Schutz vor Holzsplittern war der Zuber mit einem Tuch ausgelegt.
Baden ist lebensgefährlich
Die Angst vor negativen Auswirkungen des Badens verbreitete sich schnell über Europa.
In Frankreich glaubte der Adel, an der Folge eines Bades sterben zu müssen und so reinigten sie sich nur noch mit Pudern und Parfüms. Lange Zeit wurde von Ludwig XIV. gesagt, er habe in seinem Leben nur zweimal gebadet und sei danach jedes Mal erkrankt. So solle er etliche Diener beschäftigt haben, die nur damit beschäftigt waren, seine Körpergerüche in den Kleidern und den königlichen Räumen mit Parfüm zu überdecken.
Diese These geriet ins Wanken, als anhand von Originalplänen rekonstruiert werden konnte, dass in Versailles ein grosser Trackt im Erdgeschoss nur fürs Baden reserviert gewesen war. Die jetzt in der Orangerie stehende riesige Badewanne aus Marmor soll für Ludwigs Vergnügungen mit seinen Mätressen reserviert gewesen sein.
Warum wurde das Badebecken trotzdem in die Orangerie verbannt? Hatte das mit dem krank werden doch etwas wahres und die luxuriösen Bäder, die in Burgen und Schlössern eingerichtet waren, dienten deshalb nur noch der Repräsentation?
Jedenfalls…mit der französischen Revolution und dem Aufstieg des peinlich sauberen Napoleons glaubte die Bevölkerung endlich den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, dass Baden wohltuend und zuträglich war.
Schlagartig stieg die Zahl der öffentlichen Badehäuser wieder an und erstmals liessen sich die Reichsten der Reichen Badezimmer in ihren vier Wänden einbauen. Napoleon III. besass in seinem Sitz Arenenberg hoch über dem Bodensee ein Badezimmer mit im Boden eingelassener Wanne. Es wird wohl so ab 1830 entstanden sein.


Das mit Tonkacheln ausgekleidete Tauchbecken ist 3 Meter lang und 1.3 Meter breit und wird von Sandsteinplatten eingefasst. Das Kaltwasser kam aus dem goldenen Wasserhahn unterhalb des goldenen Adlers, dafür wurde Quellwasser durch Druckleitungen geführt. Das Warmwasser floss von der rechten Seite zu, denn hinter der rechten Wand befand sich die Küche, in der im Wasserschiff am Ofen das Wasser heiss gehalten werden konnte. Neuste Technik zur damaligen Zeit. (Mit freundlicher Genehmigung des Napoleonmuseum Arenenberg)
Neue Badewannenformen entstanden.
Neben der noch heute üblichen Form war das „slipper bath“ gebräuchlich. Dies ist eine Wanne, die an die Form eines knöchelhohen Schuhs erinnert, der Badende war darin bis zu den Schultern eingeschlossen.
Zum Teil hatten diese Wannen sogar eingebaute Kohleöfen, so dass das Wasser direkt in der Wanne erhitzt werden konnte. Ebenfalls beliebt wegen des geringeren Wasserverbrauchs waren die Sitzbadewannen. Man konnte darin nur mit angezogenen Beinen sitzen. Es gab diese Wannen jedoch in einer grossen Vielfalt, von ganz unbequemen Modellen bis zu jenen, die etwas Komfort boten. Noch heute wird diese Art Badewannen verkauft, weil sie besonders geeignet sind für ältere Menschen oder solche mit Gehbehinderung.
Ein neuer Industriezweig erblühte:
Die Seifenfabrikation. Rund um Marseille wurden die Zutaten angebaut, mit denen man die Seifen parfümierte. Noch heute werden die Marseiller Seifen auf Olivenölbasis hergestellt und sind weltweit bekannt und beliebt.
Baden ist heilend und gesund
In völligem Wiederspruch zu früher begannen Ärzte Bäder für viele Krankheiten zu verschreiben. Kuren mit Heil- und Mineralienbädern wurden im 19. Jahrhundert für den sozialen Status unverzichtbar. Städte, deren Umgebung mit natürlichen heissen Quellen angereichert waren, wurden innert kürzester Zeit wohlhabend.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man in den grösseren Städten Europas und Amerikas mit dem Aufbau von Wasserversorgungsnetzen. Damit wurde die Möglichkeit, richtige Badezimmer in den Häusern einzurichten immer besser und die fliessenden Leitungen ersetzten den Badezuber, der mühselig mit Krügen heissen Wassers gefüllt werden musste.
Das Astor-House
1836 öffnete das Hotel „Astor-House“, das Johann Jakob Astor I gebaut hatte. (Nicht zu verwechseln mit dem legendären Waldorf-Astoria, das öffnete erst rund 60 Jahre später!) Die elegante Innenausstattung und die exklusiven Restaurants des Hotels war das Thema in New York. 300 Zimmer, jedes von ihnen mit Waschschüssel und kostenloser Seife ausgestattet, beherbergte das mehrstöckige Luxushotel. 17 Badezimmer wurden eingebaut, allerdings war Astor I der Meinung das 10 Badezimmer auch ausgereicht hätten.
Lange noch konnten sich Badezimmer nur die Reichen leisten. Die ärmeren Bevölkerungsschichten konnten sich jedoch damit trösten, dass die neuen Erhitzungs-Leitungen noch erhebliche Mängel aufwiesen und somit Explosionen und gar Todesfälle keine Seltenheit waren.

Badezimmer im Schloss Hünegg am Thunersee. Um 1900. Mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Schloss Hünegg. Foto: Raffael Waldner
Das heutige, funktionelle Badezimmer entsteht
In den 1890er Jahren war ein Badezimmer mitsamt Dusche im eigenen Haushalt noch immer etwas so seltenes, das der Gastgeber in der wohlhabenden Londoner Gesellschaft mit seinen Gästen eine Besichtigungstour in diesen Raum unternahm.
Mit der Zeit sanken die Preise für Badezimmereinrichtungen und sie wurden funktioneller. Anfang des 20. Jahrhunderts baute man nur noch wenige Häuser ohne Badezimmer und bei bestehenden Häusern wurden Vorratskammern in solche umfunktioniert.
Hierzu ein Zitat aus dem Buch „Herrschaft der Dinge – Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute“ von Frank Trentmann:
Eine 1897 geborene Frau, die als Kind eines Eisenbahningenieurs in einer achtköpfigen Familie aufgewachsen war, erzählte, sie hätten ein „geräumiges Badezimmer“ mit einer „grossen Zinkwanne“ gehabt, aber das Wasser habe man auf einem Gasofen in der Küche kochen müssen. Sie und ihre drei älteren Schwestern hätten einmal pro Woche am Sonnabendnachmittag gebadet. Ihre beiden Brüder gingen stattdessen ins Schwimmbad. „Dort konnten sie regelmässig duschen. Wir kamen also ganz gut zurecht.“
Bei vielen Menschen hielt sich lange Zeit der Gedanke, der Abort im Wohnhaus zu haben sei unhygienisch. Darum liessen sich einige selbst im 20. Jahrhundert ein separates Häuschen mit Toilette im Garten bauen. Im Winter darauf zu frieren empfanden sie als weniger schlimm.
Ein Kamin im Badezimmer zu haben war wiederum ein Luxus, dem nicht alle frönen konnten und so dauerte es nochmals seine Zeit, bis das Baden auch im Winter zu dem Vergnügen wurde, wie es das für uns heute mit Zentralheizung ist.
Englisches Badezimmer
Auf den britischen Inseln fehlen bis jetzt die Mischbatterien am Lavabo oder der Badewanne. Der Europäer vom Kontinent ist sich daran gewöhnt, den Hahn auf die richtige Wassertemperatur einstellen zu können, während der Engländer zwei Wasserhähne hat. Einen für kaltes Wasser, einen für warmes Wasser. Im Hotel werden mittlerweile Hähne eingebaut, die optisch nach Mischbatterie aussehen, aber das Wasser kommt nach wie vor aus zwei Leitungen. Das richtige Temperieren dürfte also noch immer eine Schwierigkeit sein.
Auch das Bad an sich sieht bei den Engländern anders aus als bei den Resteuropäern. Eingebauten Wannen und blitzenden Fliesen bevorzugen die Briten immer noch die freistehende Füsschenbadewanne und die Toilette mit unter der Decke hängendem Spülkasten, sowie die Blümchentapete.
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Quellen:
- Das Bad, Oase für die Schönheit, Stephanie Donaldson, Edition XXL
- Die Astors, Glanz und Elend einer legendären Gelddynastie, Katja Doubek, Verlag Piper 2008
- Lebensalltag im Mittelalter, Verlag das Beste (Reader’s Digest)
- British Style, Wohnen, Kultur, Lebensart, Claudia Piras und Bernhard Roetzel, Tandem Verlag 2005
- P.M. History, April 2009, Im Glanz des Sonnenkönigs
- Versailles – Palast des Sonnenkönigs, Dokumentarfilm von Marc Jampolsky, 2018
- Herrschaft der Dinge – Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute, Frank Trentmann, ISBN 978-3-421-04273-6











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