Hand aufs Herz: Hältst du dieses Bild für ein echter Andy Warhol oder nicht?
Bevor ich weiter darauf eingehe: mach doch mal der Versuch und gib in der Suchleiste deiner Suchmaschine das Wort «Suppendose» ein. Bei den Ergebnissen in den Bildern wirst du hauptsächlich etwas sehen: «Campbell’s Soup» im Stile Andy Warhols.
Was du hier lesen kannst:
- 32 x Campbell’s Soup nach Andy Warhol
- Andy Warhols Weg vom Grafiker zum Künstler
- Siebdruck zu Zeiten von Andy Warhol – die Arbeitsschritte
- Andy Warhol und seine Wiederholungen
- Mein Fazit zur Kunst von Andy Warhol
32 x Campbell’s Soup nach Andy Warhol
Ein Künstler, der seit bald vierzig Jahren tot ist, jedoch die Suchmaschine beherrscht und trotzdem nie von deren Existenz gewusst hat. Ähnlich wie Leonardo da Vinci mit seiner Mona Lisa.
1962 fertigte Warhol von den Suppenkonserven für eine Ausstellung 32 fast identische Bilder, weil es ebenso 32 verschiedene Geschmacksrichtungen gab. Jedes Bild unterschied sich nur dadurch, dass in der Mitte die jeweilige Geschmacksrichtung angegeben war. Für den flüchtigen Betrachter waren es 32 identische Bilder.
Er erntete mit der Einfachheit des Motivs und deren ständiger, fast ähnlicher Wiederholung Unverständnis. Nur 5 Personen hätten eines der 32 Bilder gekauft. Man hatte sich jedoch vorgängig mit dem Galeristen darauf geeinigt, die Serie nur im Ganzen zu veräussern. Andy Warhol stellte sich dafür eine Summe von 1000 Dollar vor, tatsächlich wurde die Serie für 100’000 Dollar verkauft. 1996 erwarb das Museum of Modern Art in New York die Serie für unglaubliche 15 Millionen Dollar.
Aber warum ausgerechnet wählte er die Campbell’s Suppe? Weil sie seit 20 Jahren jeden Tag Warhols Mittagessen war. Bei 32 Geschmacksrichtungen hatte er immerhin grosse Auswahl und einen Monat lang Abwechslung, bis das Ganze wieder von vorne begann.
Ich habe meine eigene 24er-Serie gemacht, mit Pelati in nur einer Geschmacksrichtung. 😉

Andy Warhols Weg vom Grafiker zum Künstler
Er hatte Gebrauchsgrafik studiert und arbeitete als Werbegrafiker für verschiedene Firmen. Bereits 1956 stellte Warhol im Museum of Modern Art in New York aus. Da war er noch nicht der bildende Künstler, sondern der Grafiker. Ende der 1950er Jahre zählte Warhol zu den bestbezahlten Grafikdesignern in Manhatten.
Auf der Suche nach neuem Ideenmaterial wandte er sich den Comics und Cartoon Bildern zu, die ihn bereits als Junge so sehr fasziniert hatten. Er sammelte zudem Bilder aus Zeitschriften, Zeitungen und Kinoheften.
Zu Beginn der 1960er Jahre begann er mit Siebdruck zu experimentieren und sich mit dieser Technik vertraut zu machen. Er war der Ansicht, dass Kunst nicht nur für einige wenige, sondern für die grosse Masse erschwinglich sein sollte.
Siebdruck zu Zeiten von Andy Warhol – die Arbeitsschritte
Die Technik des Siebdruckens entwickelte sich ursprünglich aus dem Schablonendruck. Um grössere Stückzahlen für Buchillustrationen und Textildruck herstellen zu können, begann man die Schablonen auf einem mit Seidengewebe bespannten Rahmen zu befestigen. Die Schablonen wurden dadurch haltbarer und stabiler.
Siebdruck wurde also immer als ein kommerzielles Mittel zur Herstellung von Konsumgütern betrachtet. Dies deckte sich mit Andy Warhols Ansicht, Kunst der Masse zugänglich zu machen.
Um seine Siebdruckrahmen herstellen zu lassen, wählte Warhol ein Ausschnitt eines Bildes und liess es mehrfach vergrössern. Dabei konnten die Kontraste entweder verstärkt oder abgeschwächt werden. Es entstand ein Punktraster, das dann auf das Sieb übertragen werden konnte. Dies funktionierte so:
Das Maschengitter bestand in den 1960er aus synthetischen Materialien. Dieses Maschengitter wurde mit einem lichtempfindlichen Überzug versehen. Das Punktraster legte man auf diesen Überzug und belichtete das Ganze sehr stark. Die Stellen, die durch das aufgelegte Punktraster nicht belichtet worden waren, lösten sich unter dem Wasserstrahl auf und legten das Maschengitter wieder frei. Während die belichteten, hellen Stellen erhärteten und das Maschengitter undurchlässig machten.
Damals wohl eine aufwändige und auch eher teure Prozedur. Heute können wir unser Sieb selber mit Siebfüller und Zeichenfluid vorbereiten, oder mit Hilfe von Fotoemulsion und UV-Licht selber zu Hause belichten.
Hatte Andy Warhol dann sein fertiges Sieb parat, brachte er vorgängig auf die Leinwand Farbe auf, an den für ihn richtigen Stellen. Erst dann legte er den belichteten Rahmen auf und druckte das eigentliche Motiv.
So entstand 1962 eine seiner berühmtesten und bekanntesten Arbeit, das Bild der Marilyn Monroe.
Ich habe ein Bild von mir als Teenager genommen und es ähnlich dieses berühmten Werkes bearbeitet:

Mir der heutigen digitalen Technik hat mich das 5 Minuten gekostet.
Andy Warhol und seine Wiederholungen
Ein Zitat von ihm: «Ich liebe es, das Gleiche immer und immer wieder zu tun.»
Ja, er ass über Jahrzehnte immer dasselbe zu Mittag und so hat er sich gedacht, warum soll ich die Marilyn Monroe nur einmal machen, wenn ich sie doch genauso gut immer und immer wieder machen kann?
So gibt es das Bild in verschiedenen Kolorationen, das Motiv ist jedoch immer dasselbe. Und weil das so gut ankam, machte er das Gleiche auch noch mit Berühmtheiten wie Liza Minelli, Ernesto Che Guevara oder Elizabeth Taylor.
Wobei wir wieder beim Bild vom Anfang des Artikels angekommen sind.

Es ist kein Andy Warhol Werk, sondern meines, hergestellt aus einem im Netz geklauten Foto in ein paar Minuten. Und wenn ich ein ebenso bekanntes Werk von Andy Warhol, die «Ten Lizes» nachmachen will, dann sieht das dann so aus:

Wobei meiner Version natürlich das gewisse Etwas fehlt. Denn am Bildschirm das gleiche 10-mal zu wiederholen ist einfach platt und nicht sehr Einfallsreich.
Andy Warhols Werk jedoch lebt, weil es perfekt unperfekt ist. Jede der zehn Wiederholungen wurde in Handarbeit gedruckt. Bei jeder der Wiederholung wurde die graue Farbe vorgängig anders aufgetragen. Jeder der Siebdrucke ist individuell, was die Regelmässigkeit des Farbauftrages und Positionierung des Siebes betrifft. Es, ist das was Handwerk ausmacht.
Wobei ich wieder in meiner Meinung bestärkt werde: Das digitale kann das analoge Handwerk nicht ersetzen. Meine «Ten Lizes» würden handgemacht viel mehr leben, das Werk wäre viel interessanter als es das jetzt ist.
Aber dazu brauchte es zuerst Andy Warhol, der mit seinen Siebdrucken zeigte, was mit leuchtender Farbe und schwarzem Druck alles entstehen kann.
Mein Fazit zur Kunst von Andy Warhol
Vielleicht hat der obige Text für dich einen sarkastisch abschätzigen Ton. Ja, etwas sarkastisch soll es rüberkommen, aber nicht abschätzig. Denn ich mag den Stil den Andy Warhol entwickelte und verfolgte. Ich finde viele seiner Arbeiten genial.
Er begründete gleichzeitig mit ein paar anderen die Bewegung des Pop-Art. Diese Art Kunst orientiert sich an Alltagsobjekten, wird oft seriell hergestellt und macht sie so einem breiteren Publikum zugänglich. Es ist für mich eine Art Kunst, die ich verstehe. Wobei die Frage, ob Kunst überhaupt verstanden werden muss auf einem anderen Blatt steht.
Und wie bei so vielen berühmten und sehr erfolgreichen Persönlichkeiten ist auch bei ihm der Fall, das er mit zunehmender Popularität an Vereinsamung litt.
In sehr armen Verhältnissen aufgewachsen, war er von Geld beherrscht und das liess ihn sein ganzes Leben Angst vor Verarmung haben.
Zu seinen Lebzeiten gab er praktisch nichts von sich preis. 1989 wurden einige seiner Tagebuchaufzeichnungen veröffentlicht.
Er war der Meinung, wer alles von ihm wissen wolle, brauche sich nur seine Werke anzusehen, denn dahinter sei nichts. Für mich ist das bedrückend. In meiner Vorstellung war Andy Warhol in seinem Leben nicht glücklich, trotz Ruhm, Ehre, Erfolg und einem Vermögen, das bei seinem Tod auf 900 Millionen Dollar geschätzt wurde.
Willst du mich unterstützen?
Meine kostenlosen Artikel auf diesem Blog benötigen sehr viel Zeit, zuerst in Recherche und dann dem Schreiben selbst. Auch wenn sie veröffentlicht sind, werden die Beiträge von mir laufend ergänzt und überarbeitet. Wenn du gut findest was ich mache, dann freue ich mich über die Unterstützung im Wert von einer Tasse Kaffee:
Quellen:
- http://www.moma.org
- http://www.wikipedia.org
- http://www.wikiart.org
- Andy Warhol – Ten Lizes, Dokumentation ausgestrahlt auf ARTE, 2025









